Das Wachstum in den neuen Bundesländern hat an Fahrt verloren. Laut dem aktuellen Wettbewerbsreport Ostdeutschland 2026, der am 28. Mai 2026 veröffentlicht wurde, ist der Abstand zu den alten Bundesländern nur langsam geschrumpft. Unmittelbar nach der Wiedervereinigung lag die Wirtschaftsleistung der Beschäftigten im Osten bei rund einem Drittel des Westniveaus; vor zehn Jahren betrug der Wert 78 Prozent, heute liegt er bei etwa 85 Prozent.
Die Entwicklung ist jedoch nicht einheitlich. Während einige Landkreise wie Jena, der Saalkreis und die Uckermark bereits über dem gesamtdeutschen Durchschnitt liegen, zeigt Brandenburg, insbesondere im Umland Berlins durch neue Industrieansiedlungen, wie Tesla in Grünheide, eine positive dynamische Entwicklung. Auch Städte wie Dresden und Leipzig verzeichnen Fortschritte.
Jedoch bleiben ländlichere und peripher gelegene Regionen, etwa in Mecklenburg-Vorpommern und im Nordsachsen sowie im Erzgebirge, hinter den Erwartungen zurück. Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter des ifo-Instituts in Dresden, äußert Bedenken: Der Aufholprozess sei in Gefahr. Er verweist auf große Probleme in der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung, der Investitionsbereitschaft und der Innovationskraft. Dadurch wird die Wachstumsdynamik im Osten tendenziell schwächer als in der Vergangenheit und auch schwächer verglichen mit dem Westen.
Ein zentrales Risiko sieht der Bericht in der Vermögenslücke zwischen Ost und West. Ostdeutsche Haushalte besitzen nur einen Bruchteil des Vermögens im Westen, was Investitionen einschränkt und die wirtschaftliche Dynamik hemmt. Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, warnt vor den politischen Folgen dieser Entwicklung. Besonders in strukturschwachen Gebieten seien die Zukunftsperspektiven trübe, was sich auf das Lebensgefühl der Menschen auswirke.
Nehring, Mitverfasser des Reports, fordert mehr Investitionen, Innovationen und gezielte Fachkräftegewinnung. Er betont die Notwendigkeit verlässlicher Rahmenbedingungen für die Unternehmen in der Region. Der Report hat neue Perspektiven gefordert, weg von der reinen Betrachtung des Aufholens hin zu einer Fokussierung auf die Schaffung von Wachstumsdynamik in den einzelnen Ländern.
Die Diskussion über Lösungen wird am kommenden Sonntag auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow fortgesetzt.