Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt steht in der Kritik, da mehrere seiner Reden und Gastbeiträge mutmaßlich mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt worden sein sollen. Das Online-Portal „Frag den Staat“ berichtete, dass dies insbesondere eine Rede zum Holocaust-Gedenktag, eine Trauerrede sowie eine Neujahrsansprache betreffe. Mehrere der verwendeten Zitate von Wissenschaftlern in einem Gastbeitrag konnten nicht verifiziert werden. Ein Medium hat in der Folge einen betroffenen Beitrag entfernt.
Voigt, der eine Berücksichtigung moderner Technologien befürwortet, erklärte, dass KI in der Verwaltung verstärkt eingesetzt werden solle. Er äußerte, dass Einzelpassagen von Reden möglicherweise mit KI erstellt wurden, sah darin jedoch keinen Grund für persönliche Konsequenzen.
Seit über eineinhalb Jahren führt Voigt eine Koalition aus CDU, BSW und SPD in Thüringen. Dies geschieht in einem Machtgefüge, wo seine Regierung auf die Zustimmung der Opposition angewiesen ist. Politisch sieht sich Voigt zudem Plagiatsvorwürfen ausgesetzt: Die Technische Universität Chemnitz entzog ihm, nach einer Untersuchung seiner Dissertation, den Doktortitel, gegen den er rechtliche Schritte erwägt.
Die Sprecherin der Thüringer Staatskanzlei bestätigte den Einsatz von KI-Anwendungen zur Unterstützung bei der Erstellung von Reden und Texten. Eine generelle Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte existiere jedoch nicht. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat in Reaktion auf die Vorwürfe einen Gastbeitrag von Voigt gesperrt und verwies auf ihre Grundsätze für den Umgang mit KI.
Thüringens Digitalminister Steffen Schütz erklärte, dass er KI lediglich für Recherchezwecke nutze und in seinen eigenen Beiträgen eine Kennzeichnung vornehmen würde. Es existiert eine Dienstanweisung in der Staatskanzlei, die den Umgang mit generativen KI-Systemen regelt, wobei die Verantwortung stets beim Menschen verbleibt.
Fragen zur Anzahl der Redenschreiber für Voigt und zum spezifischen Anteil an KI-generierten Inhalten in seinen Reden blieben unbeantwortet. Die oppositionelle Thüringer Linke warf Voigt vor, gegen Richtlinien seines Digitalministeriums zu verstoßen, da Hinweise auf den Einsatz von KI in seinen Texten fehlen würden.
Der AfD-Politiker Ringo Mühlmann kritisierte den KI-Einsatz für emotionale Reden als unangemessen. Ihm zufolge kann die KI emotionale Inhalte erzeugen, die jedoch keinen echten emotionalen Hintergrund haben. In Sachsen meldete ein Regierungssprecher, dass KI lediglich für grobe Recherchen eingesetzt wird, nicht jedoch für die Erstellung von Reden.