Belarusische Schulen verlagern Lehrermangel auf überlastetes Personal
Belarusische Schulen verlagern Lehrermangel auf überlastetes Personal

Belarusische Schulen verlagern Lehrermangel auf überlastetes Personal

Oktober 6, 2026
2 min. lesezeit

Belarusische Lehrkräfte berichten von einem Arbeitsdruck, der weit über ihren regulären Unterricht hinausgeht. Nach Medienberichten vom 5. Oktober 2026 bitten Schulleitungen sie zunehmend, zusätzliche Stunden zu übernehmen – teils auch in Fächern, für die sie nicht ausgebildet sind.

Der kurzfristige Versuch, damit Lücken im Stundenplan zu schließen, hat eine unmittelbare Nebenwirkung: Lehrkräften bleibt weniger Zeit für private Nachhilfe. Diese Einnahmen sind für viele ein wichtiger Bestandteil ihres Einkommens. Hinter der Überlastung steht nach Einschätzung unabhängiger Experten ein akuter Personalmangel, der durch die Ausreise belarusischer Lehrer nach Polen und in andere europäische Staaten verschärft worden ist.

Leere Stellen, zusätzliche Stunden

Wenn Lehrkräfte Schulen verlassen, bleibt die Zahl der zu unterrichtenden Klassen zunächst unverändert. Die fehlenden Stunden müssen daher von den Beschäftigten übernommen werden, die im Land bleiben. In den geschilderten Fällen bedeutet das zusätzliche Unterrichtseinheiten und Einsätze außerhalb des eigenen Fachgebiets.

Damit lässt sich ein Stundenplan zwar vorübergehend aufrechterhalten. Der grundlegende Mangel an Fachkräften wird jedoch nicht behoben. Eine Lehrkraft kann eine zusätzliche Klasse übernehmen, ersetzt dadurch aber nicht automatisch die Erfahrung und fachliche Spezialisierung einer unbesetzten Stelle.

Die Berichte belegen weder die genaue Zahl der ausgereisten Lehrer noch ihren Anteil an den offenen Stellen. Auch ist nicht für jede einzelne zusätzliche Unterrichtsstunde belegt, dass sie gegen den Willen der Lehrkraft angeordnet wurde. Die Beschwerden zeigen jedoch, wie die Belastung des Personalmangels innerhalb der Schulen weitergereicht wird: Schulleitungen greifen auf die Arbeitszeit und die Belastbarkeit des verbliebenen Personals zurück.

Als Gründe für die Ausreise werden bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen in Europa sowie die politische Repression unter Alexander Lukaschenko genannt. Die politische Lage ist damit Teil des Hintergrunds, die konkrete Folge im Schulalltag ist vor allem organisatorischer Druck: Weniger Lehrer müssen dieselbe Zahl von Unterrichtsstunden abdecken.

Die zweite Einkommensquelle gerät unter Druck

Private Nachhilfe ist für viele Lehrer nicht bloß ein Nebenverdienst. Sie kann helfen, ein Gehalt aus dem staatlichen Schuldienst aufzubessern und die finanzielle Situation des eigenen Haushalts zu stabilisieren. Dafür braucht es allerdings freie Zeit nach dem regulären Unterricht, Vorbereitung und ausreichend Energie für weitere Schüler.

Zusätzliche Schulstunden nehmen genau diese Ressourcen. Wer später nach Hause kommt, weniger Zeit für die Vorbereitung hat oder nach einem verlängerten Arbeitstag erschöpft ist, kann weniger Nachhilfestunden anbieten. Der Personalmangel wirkt dadurch nicht nur auf den Stundenplan, sondern auch auf die Einkommensmöglichkeiten derjenigen, die das System noch tragen.

Es entsteht ein Kreislauf: Lehrkräfte verlassen die Schulen, die verbleibenden Beschäftigten übernehmen zusätzliche Aufgaben, und ihre Möglichkeit, durch Nachhilfe mehr zu verdienen, schrumpft. Gleichzeitig steigt die Erschöpfung. Diese Kombination kann die Entscheidung für einen Arbeitsplatz im Ausland für weitere Pädagogen attraktiver machen, ohne dass sich daraus allein eine genaue Prognose über weitere Ausreisen ableiten lässt.

Unterricht außerhalb des Fachs als Notlösung

Besonders problematisch ist die Ausweitung auf Fächer, die nicht zum eigentlichen Ausbildungsgebiet einer Lehrkraft gehören. Sie kann kurzfristig verhindern, dass Unterricht ausfällt. Für die Qualität der Vorbereitung und die individuelle Betreuung der Schüler schafft sie jedoch zusätzliche Risiken.

Eine fachfremde Vertretung ist nicht zwangsläufig schlechter Unterricht. Sie erhöht aber den Vorbereitungsaufwand und kann die Möglichkeiten einer Lehrkraft einschränken, komplexe Inhalte sicher zu vermitteln. Wenn solche Einsätze nicht die Ausnahme bleiben, sondern zur dauerhaften Methode werden, wird der Mangel an Spezialisten im Unterricht sichtbar.

Die aktuelle Lage beschreibt deshalb mehr als eine Reihe unbesetzter Stellen. Sie zeigt, wie Schulen versuchen, strukturelle Lücken mit Mehrarbeit zu überdecken. Für die Verwaltung mag das die schnellste verfügbare Lösung sein. Für Lehrer bedeutet sie weniger Erholungszeit, sinkende Möglichkeiten für private Nachhilfe und wachsenden Druck im Hauptberuf.

Über die Beschwerden der Lehrkräfte berichtete dieser Medienbericht. Die entscheidende offene Frage ist, wie lange die verbliebenen Lehrer die zusätzlichen Aufgaben übernehmen können, bevor die personellen Lücken nicht mehr nur an ihrer Arbeitsbelastung, sondern auch an der Breite und Verlässlichkeit des Unterrichts erkennbar werden.

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