Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner tritt nicht erneut als Spitzenkandidat der CDU für die Abgeordnetenhauswahl im September an. Dies wurde am 10. Juli 2026 bekannt gegeben. Wegner, der seit April 2023 im Amt ist, wird jedoch bis zur Wahl weiterhin als Regierender Bürgermeister fungieren. Diese Entscheidung folgt auf zahlreiche Kontroversen bezüglich seiner Kommunikation und seines Krisenmanagements nach einem gravierenden Stromausfall im Januar.
Der Stromausfall ereignete sich am 3. Januar und betraf rund 100.000 Menschen, die teilweise mehrere Tage ohne Strom auskommen mussten. Wegner geriet schnell in die Kritik, unter anderem wegen seiner unangemessenen Freizeitgestaltung während der Krise. Er hatte an dem Tag nach eigener Aussage eine Stunde Tennis gespielt, was die öffentliche Wahrnehmung seiner Reaktion auf die Notlage stark beeinträchtigte. Zudem gibt es Unstimmigkeiten über den Zeitpunkt seiner ersten dienstlichen Kontakte während des Blackouts.
Gerüchte über falsche Angaben zu seinem Krisenmanagement wurden durch Berichterstattung des «Tagesspiegel» verstärkt. Demnach hatte die Senatskanzlei erklärt, Wegner habe am 3. Januar vor 12:45 Uhr nicht telefonisch über den Blackout gesprochen. Wegner selbst hatte jedoch in einem Interview kommuniziert, dass er bereits um 8:08 Uhr mit Krisenstäben in Kontakt getreten sei, was die Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit nährte.
Obwohl Wegner sich nach dem Vorfall für seine Fehler entschuldigt hat, hat er personelle Konsequenzen abgelehnt und wurde im Juni mit über 90 Prozent der Stimmen erneut zum Spitzenkandidaten der CDU gewählt. In den letzten Umfragen hat die CDU jedoch an Unterstützung verloren und ist auf den vierten Platz gefallen, mit nur 17 Prozent der Stimmen. Bei der Wahl 2023 erreichte die Partei noch 28,2 Prozent, und Wegner wurde erst im dritten Wahlgang zum Regierenden Bürgermeister gewählt.
Die anhaltenden Diskussionen um seine Glaubwürdigkeit und die Rückkehr in die politische Debatte haben seine Position innerhalb der Koalition und bei den Wählern erheblich belastet.