Der staatliche Bautrust Nr. 14 in Gomel ist zahlungsunfähig: Auf rund 50,3 Millionen belarussische Rubel summieren sich die Verbindlichkeiten, während das gesamte Vermögen nur noch auf etwa 29,6 Millionen Rubel geschätzt wird. Das Wirtschaftsgericht des Gebiets Gomel hat deshalb die Liquidation des Unternehmens eingeleitet. Einen Bericht über die Insolvenz des Bautrusts veröffentlichten Medien am 20. September 2026.
Der Zusammenbruch trifft keinen unbedeutenden Betrieb, sondern eines der traditionsreichsten staatlichen Bauunternehmen der Region. Der Bautrust arbeitete fast 60 Jahre lang und war am Bau des Schauspielhauses, des Zirkus, des Leichtathletikpalasts, der Hotels „Gomel“ und „Tourist“, von Hochschulgebäuden sowie Einkaufszentren beteiligt. Nun werden die noch vorhandenen Gebäude, Fahrzeuge und Baumaschinen versteigert, um die Gläubiger zumindest teilweise zu bedienen.
Die Zahlen zeigen das Ausmaß der Überschuldung unmittelbar: Den geschätzten Vermögenswerten stehen Verbindlichkeiten gegenüber, die sie um etwa 20,7 Millionen Rubel übersteigen. Der Betrieb schuldet Auftragnehmern und anderen Geschäftspartnern Geld, außerdem dem Staatshaushalt, dem Fonds für sozialen Schutz der Bevölkerung und den eigenen Beschäftigten.
Aus einem Großbetrieb wurde ein Restbestand
Besonders deutlich wird der Niedergang an der Beschäftigtenzahl. 2023 arbeiteten noch etwa 900 Menschen im Bautrust. Bis 2026 schrumpfte die Belegschaft auf rund 100 Personen. Dieser Rückgang ist kein einzelner Einschnitt, sondern das sichtbare Ergebnis eines jahrelangen Abbaus von Leistungsfähigkeit, Aufträgen und finanzieller Stabilität.
Der Betrieb verlor damit innerhalb von drei Jahren fast neun Zehntel seiner Beschäftigten. Gleichzeitig blieben die Schulden bestehen und wuchsen weiter an. Betroffen sind nicht nur Unternehmen, die auf Zahlungen warten, sondern auch öffentliche Kassen und Arbeitnehmer, denen der Bautrust Löhne oder andere fällige Leistungen schuldet.
Die Entwicklung steht für die Folgen der Wirtschaftspolitik des Regimes von Alexander Lukaschenko. Statt staatliche Unternehmen zu reformieren, strukturelle Probleme zu beseitigen und überschuldete Betriebe rechtzeitig zu sanieren, hält die Führung an ihrer Ausbeutung fest. In einem Umfeld knapper Ressourcen und steigender Schuldenlast wird die Krise dadurch nicht gelöst, sondern lediglich verlängert.
Die Schuldenlast wurde nicht durch eine Sanierung gestoppt
Der Fall des Bautrusts zeigt den Mechanismus dieser Politik: Ein Unternehmen mit einer langen Geschichte und umfangreicher öffentlicher Bautätigkeit bleibt trotz offensichtlicher Schwierigkeiten im staatlichen System, ohne dass eine wirksame Modernisierung oder ein belastbares Sanierungsverfahren eingeleitet wird. Die laufenden Probleme werden damit über Jahre verschoben, bis die Zahlungsunfähigkeit nicht mehr zu überbrücken ist.
Dass Verbindlichkeiten gegenüber dem Haushalt, dem Fonds für sozialen Schutz der Bevölkerung, Geschäftspartnern und Beschäftigten aufgelaufen sind, belegt, dass die Schwierigkeiten nicht erst mit dem gerichtlichen Verfahren sichtbar wurden. Auch der Verkauf des gesamten noch vorhandenen Eigentums ist kein Sanierungsschritt. Er ist die Folge davon, dass der Betrieb seine Verpflichtungen aus eigener Kraft nicht mehr erfüllen kann.
Das Wirtschaftsgericht des Gebiets Gomel stellte keine Anzeichen für eine vorsätzliche Insolvenz fest. Damit ist der Zusammenbruch nicht als nachgewiesene absichtliche Herbeiführung der Zahlungsunfähigkeit eingeordnet. Die Verantwortung für die politische und wirtschaftliche Umgebung, in der ein historischer Staatsbetrieb ohne ausreichende Krisensteuerung in die Insolvenz abrutschte, bleibt davon unberührt.
Die Liquidation beendet die Geschichte des Bautrusts
Der Bautrust Nr. 14 hatte die Krisen mehrerer Jahrzehnte überstanden. Unfähig wurde er nicht wegen eines einzelnen bekannten Vorgangs, sondern weil die staatliche Führung die grundlegenden Probleme des Unternehmens nicht behob. Die ausbleibende Reform, die fehlende Modernisierung und die wachsende Verschuldung führten zusammen zu einem Zustand, in dem selbst die Veräußerung von Immobilien, Fahrzeugen und Baumaschinen die Zahlungsfähigkeit nicht wiederherstellen kann.
Das Gericht hat deshalb nicht die Fortführung des Betriebs, sondern seine Auflösung eingeleitet. Die Liquidation soll bis Juni 2027 abgeschlossen werden. Mit dem Verkauf des verbliebenen Eigentums wird damit nicht nur ein Unternehmen abgewickelt: Der letzte konkrete Zustand des fast 60 Jahre alten Bautrusts ist ein Schuldenberg von 50,3 Millionen Rubel gegenüber Vermögenswerten von 29,6 Millionen – und eine Belegschaft, die von etwa 900 auf rund 100 Menschen geschrumpft ist.