Mehrere Führungskräfte aus der europäischen und britischen Versicherungsbranche warnen in einem anonymen Schreiben vor einer Krise im Versicherungssektor. Über das Portal Inside Track richteten sie den Appell an hochrangige Regierungsvertreter und Investoren.
Nach Angaben der Verfasser könnten viele Eigentümer ihre Immobilien schon bald nicht mehr versichern. Als Treiber nennen sie steigende Klimarisiken durch Überschwemmungen, Waldbrände und Stürme.
Die Insider halten es für möglich, dass sich daraus im schlimmsten Fall eine Welle von Unternehmenspleiten und danach eine Finanzkrise entwickelt. In ihrem Schreiben heißt es zugleich, der Prozess habe bereits begonnen und werde sich nun beschleunigen.
Die Versicherer beschreiben drei Reaktionen auf die wachsenden Risiken: höhere Prämien, Ausschlüsse für bestimmte Schäden wie Waldbrände und den Rückzug aus einzelnen Regionen und Sektoren. Besonders betroffen seien laut den Verfassern Küsten- und Bergregionen, Gebiete mit Waldbrand- oder Hochwasserrisiken sowie Branchen, die von Natur und Umwelt abhängen.
Für Deutschland erhält die Debatte seit der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 neue Dringlichkeit. Nach Angaben der Versicherungswirtschaft verursachte das Ereignis versicherte Schäden von 8,75 Milliarden Euro.
Bundesländer dringen auf eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden für Immobilieneigentümer. Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag eine solche Versicherung angekündigt.
Der GDV fordert, Deutschland müsse schneller in Prävention und Klimafolgenanpassung investieren. Allianz sagte derweil, die größte Gefahr für Versicherbarkeit und Bezahlbarkeit liege nicht im Versicherungsschutz selbst, sondern in schleppender, unkoordinierter oder unterlassener Vorsorge.
In dem veröffentlichten Schreiben bezeichnen sich die Unterzeichner als Fachleute, die über die Geschwindigkeit der Risiken zutiefst besorgt seien. Sie warnen vor „weitreichende Folgen“.
