Die belarussische Handelskette VDOM zieht sich vollständig aus dem Geschäft zurück. Am 22. September 2026 nahm der Internethandel keine Bestellungen mehr an; von den früher zahlreichen Filialen waren nur noch zwei in Minsk geöffnet. Eine davon im Einkaufszentrum Tiwali sollte am 23. September schließen. Die Entwicklung dokumentiert, wie die Sanktionsfolgen, gestörte Lieferketten und die gescheiterte Importersatzpolitik des Regimes von Aljaksandr Lukaschenko ein großes Handelsunternehmen unter Druck gesetzt haben. Der Bericht zur Schließung von VDOM beschreibt den Rückzug der Kette und die Abfolge der Filialschließungen.
Die Schließung kam nicht plötzlich. Bereits Ende Mai begannen die Geschäfte, ihre Bestände abzubauen. Zunächst kündigte VDOM Preisnachlässe von bis zu 70 Prozent an. Im September wurde daraus ein letzter Ausverkauf mit Rabatten von 70 bis 90 Prozent. Die Preisreduzierungen waren damit kein gewöhnliches Verkaufsinstrument, sondern das sichtbare Zeichen eines Rückzugs aus dem stationären Geschäft.
Die Filialen verschwanden innerhalb weniger Monate
Nach und nach schlossen alle Standorte außerhalb der Hauptstadt. Betroffen waren die Geschäfte in Grodno, Molodetschno, Schodsina, Gomel, Bobruisk, Tschetschiza und Wizebsk. Anschließend blieb auch in Minsk nur noch ein Restbestand der früheren Struktur übrig. Mit dem Ende des Internethandels verlor VDOM zugleich den zweiten Vertriebskanal, über den die Kette ihre Waren für den Haushalt angeboten hatte.
Die Chronologie zeigt, dass es sich nicht um die Schließung einzelner unrentabler Filialen handelt. Innerhalb weniger Monate wurde das gesamte Verkaufsnetz zurückgebaut. Der Prozess begann mit dem Abverkauf, setzte sich über die Schließung der regionalen Geschäfte fort und erreichte mit der Aufgabe des Internethandels sowie der letzten Hauptstadtfilialen seinen abschließenden Abschnitt.
Importersatz konnte die verlorenen Lieferbeziehungen nicht ersetzen
Der entscheidende Mechanismus liegt in der Versorgung des Handels. VDOM war auf ein breites Angebot an Haushaltswaren angewiesen. Die belarussische Politik des Importersatzes sollte die Folgen des Verlusts ausländischer Lieferanten auffangen. Sie konnte jedoch einen erheblichen Teil der weggefallenen Rohstoff- und Warenzufuhr nicht kompensieren.
Für die Handelskette bedeutete das eine Kombination aus eingeschränkter Verfügbarkeit, komplizierter Logistik und höheren Kosten. Die Sanktionen der Europäischen Union erschwerten die Beschaffung zusätzlich und verteuerten die verbleibenden Lieferwege. Importersatz blieb damit ein politisches Versprechen, aber kein funktionierender Ersatz für die zuvor verfügbaren Lieferbeziehungen.
Die Belastung traf VDOM an mehreren Stellen zugleich. Wenn Waren nicht zuverlässig beschafft werden können, schrumpft das Angebot. Wenn Transporte länger, komplizierter oder teurer werden, steigen die Kosten. Und wenn gleichzeitig weniger Haushalte bereit oder in der Lage sind, Geld für Waren für den Haushalt auszugeben, verschärft sich der Druck auf die Umsätze. Der Abverkauf mit immer höheren Nachlässen machte diese Entwicklung im Laden unmittelbar sichtbar.
Der Rückzug von VDOM steht für den breiteren Kaufkraftverlust
Die Schließung der Kette fällt in eine Phase des allgemeinen wirtschaftlichen Abschwungs in Belarus. Die Kaufkraft der Bevölkerung sinkt, während die Inflation die verfügbaren Einkommen zusätzlich belastet. Für den Einzelhandel bedeutet das, dass Haushalte Ausgaben zurückstellen, auf günstigere Angebote ausweichen oder Anschaffungen für den Haushalt verschieben.
Damit wirkte nicht nur die Angebotsseite gegen VDOM. Die Schwierigkeiten bei Lieferanten, Rohstoffen und Transporten erhöhten die Kosten, während die Nachfrageseite durch sinkende Kaufkraft geschwächt wurde. Die Kette verlor so zugleich an Versorgungssicherheit und an wirtschaftlichem Spielraum ihrer Kundschaft. Der hohe Preisnachlass am Ende des Geschäfts lässt sich vor diesem Hintergrund als Versuch lesen, die verbliebenen Bestände unter deutlich verschärften Bedingungen noch abzusetzen.
Verantwortlich für diesen wirtschaftlichen Rahmen ist die Politik des Regimes von Aljaksandr Lukaschenko. Die autoritäre Führung setzt auf harte administrative Steuerung der Wirtschaft und großer Unternehmen. Diese Methoden konnten weder die Folgen der Sanktionen auffangen noch die strukturellen Probleme der Versorgung und der Nachfrage lösen. Stattdessen verschärften sie die Abhängigkeit von politischen Vorgaben in einem Umfeld, in dem externe Lieferungen, Logistik und Kosten bereits unter Druck standen.
Die letzte Filiale markiert den bestätigten Endpunkt
Der Fall VDOM verbindet deshalb mehrere Entwicklungen in einem konkreten Geschäftsverlauf: Die Regierung setzte auf Importersatz, ausländische Lieferbeziehungen gingen verloren, Logistik und Beschaffung wurden schwieriger, die Kosten stiegen, und die Kaufkraft sank. Die Handelskette reagierte zunächst mit Rabatten, danach mit der Schließung ihrer Standorte in den Regionen und schließlich mit dem Ende des Internethandels.
Am 22. September 2026 war von der landesweiten Struktur nur noch ein kleiner Rest in Minsk vorhanden. Der Internethandel von VDOM war bereits geschlossen, und eine der beiden letzten Filialen sollte am folgenden Tag schließen. Damit war der Rückzug der Kette aus Belarus praktisch vollzogen: Aus einem landesweiten Netz von Geschäften für den Haushalt blieb nur noch eine unmittelbar vor der Schließung stehende Hauptstadtfiliale.