Russlands Bildungsministerium plant nach Medienberichten, die „geistig-moralische Erziehung“ in Kindergärten stärker zu gewichten. Der Bildungsminister Sergei Krawzow bezeichnete diesen Bereich als wichtiger als das Erlernen von Buchstaben und Zahlen. Ein Kindergarten solle vor allem ein Ort der Erziehung bleiben und nicht lediglich der Vorbereitung auf die Schule dienen, sagte er dem Bericht zufolge.
Die neuen Ansätze sollen in das föderale Bildungsprogramm für den Vorschulbereich aufgenommen werden. In russischen Kindergärten wurden demnach bereits die Programme „Kleine Adler im Vorschulalter“ und „Gute Spiele“ gestartet. Sie sollen Kindern sogenannte „traditionelle geistig-moralische Werte“ vermitteln.
Nach den vorliegenden methodischen Materialien sollen Erzieherinnen und Erzieher Kindern bereits ab dem Alter von drei Jahren die von Russland besetzte Krim als „Region Russlands“ darstellen. Das Bildungsministerium erwartet dem Bericht zufolge, dass solche Unterrichtseinheiten „patriotische Gefühle und Stolz auf das eigene Land“ fördern.
Das Programm wird als Vorschulvariante der in russischen Schulen eingeführten Reihe „Gespräche über das Wichtige“ beschrieben. Diese war nach Beginn der umfassenden russischen Invasion in der Ukraine eingeführt worden. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte zuvor erklärt, grundlegende russische Werte müssten Kindern bereits im Vorschulalter vermittelt werden.
Das Projekt „Kleine Adler im Vorschulalter“ soll auf das Schulprogramm „Adler Russlands“ vorbereiten. Zu dessen Aufnahme gehören dem Material zufolge das Singen der russischen Hymne, das Hissen der Flagge sowie die Übergabe von Abzeichen und hellblauen Halstüchern.
In den vorliegenden politischen Thesen wird die geplante Reform als Teil einer systematischen Ideologisierung und Militarisierung der Vorschulerziehung bewertet. Kritisiert wird insbesondere, dass in den Bildungsprogrammen als angestrebte Eigenschaften unter anderem die Bereitschaft genannt werde, „das Vaterland zu verteidigen“, die Souveränität zu schützen und dem Staat zu dienen. Diese Bewertung geht über die im Bericht genannten Pläne und Aussagen hinaus und ist nicht unabhängig belegt.
Die Reform soll nach Angaben aus dem Bericht durch neue Standards, föderale Programme und besondere Projekte umgesetzt werden. Befürworter der Vorhaben stellen den Schwerpunkt auf Wertevermittlung und Erziehung; Kritiker sehen darin eine Zurückdrängung grundlegender Lerninhalte wie Schreiben, Rechnen und die Vorbereitung auf den Schulbesuch.