Der Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Jens Strackeljan, warnt nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt vor einer wissenschaftlichen Abkopplung des Landes. Im schlimmsten Fall könne Sachsen-Anhalt wissenschaftlich isoliert werden, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.
Als Grund nannte Strackeljan mögliche politische Eingriffe in Hochschulen und Forderungen der AfD in der Wissenschaftspolitik. Dazu zählten aus seiner Sicht die Rückkehr zu Diplom- und Magisterstudiengängen sowie ein Ende der Förderung von Gender-Forschung.
Eine solche Entwicklung könnte nach seiner Einschätzung die Förderung und die internationale Zusammenarbeit belasten. Die übrigen 15 Bundesländer und die Deutsche Forschungsgemeinschaft würden ihre wissenschaftlichen Maßstäbe nicht wegen Sachsen-Anhalts verändern, sagte Strackeljan.
Für die Universität sei die Lage besonders sensibel, weil rund 85 Prozent des Budgets derzeit aus Landesmitteln stammten. Es gebe eine Zielvereinbarung mit dem Land; zunächst gehe die Hochschule davon aus, dass Verträge in einem Rechtsstaat Bestand hätten.
Als Grenze politischer Einflussnahme verwies Strackeljan auf Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Freiheit der Wissenschaft garantiere. Zugleich müsse das Ministerium bei der Einrichtung von Professuren zustimmen, entscheidend sei daher auch, was finanziert werde.
Besonders gravierend wäre aus seiner Sicht eine Rückabwicklung des Bologna-Prozesses. Internationale Studierende kämen gezielt wegen englischsprachiger Masterprogramme nach Sachsen-Anhalt; eine solche Änderung würde der Universität nach seiner Einschätzung „schlicht den Stecker ziehen“.
Die AfD war bei der Landtagswahl am 6. September 2026 mit 43,8 Prozent stärkste Kraft geworden, verfehlte aber eine absolute Mehrheit. In Sachsen-Anhalt stuft der Landesverfassungsschutz die Partei seit 2023 als gesichert rechtsextremistisch ein.
