Mit dem „Lauf ihres Lebens“ macht Amanda Anisimova die Blamage von Wimbledon wett – auch wegen eines „schmerzhaften“ Videostudiums.
Angefeuert vom heimischen Publikum hat sich die amerikanische Tennisspielerin Amanda Anisimova bei den US Open für ihr tränenreiches Wimbledon-Drama revanchiert. Zwei Monate nach dem 0:6, 0:6 im Endspiel von London gewann die 24-Jährige am Mittwoch (03.09.2025, Ortszeit) im Viertelfinale in New York verdient 6:4, 6:3 gegen die gleichaltrige Polin Iga Swiatek.
Die ersten beiden Matchbälle vergab Anisimova noch, dann brachte ihr ein unerreichbarer Netzroller den Erfolg gegen die US-Open-Siegerin von 2022. Mit dem Halbfinaleinzug toppte die US-Amerikanerin ihr ohnehin schon bestes US-Open-Abschneiden ein weiteres Mal. Bisher hatte sie noch nie die dritte Runde erreicht.
„So zurückzukommen nach Wimbledon ist sehr besonders für mich“, sagte Anisimova. Bei der Pressekonferenz erklärte sie, sich als Vorbereitung die herbe Pleite gegen Swiatek, „so schmerzhaft es war“, noch einmal angesehen zu haben: „Nur um zu sehen, was ich vermeiden kann oder was schiefgelaufen ist. Heute hatte ich überhaupt keine Angst.“
In Wimbledon war Anisimova in ihrem ersten Grand-Slam-Endspiel komplett überfordert gewesen und hatte bei der Siegerehrung bitterlich geweint. Zuvor war erst ein einziges Wimbledon-Endspiel 6:0, 6:0 ausgegangen – 1911. Zuletzt hatte Steffi Graf bei den French Open 1988 in einem Grand-Slam-Finale kein Spiel abgegeben.

Frühes Break gibt Sicherheit
Im Viertelfinale von New York verlor Anisimova zwar direkt ihren Aufschlag, fand dann aber gut in die Partie. Ein Re-Break brachte der starken Aufschlägerin Sicherheit. Swiatek konnte nicht wie gewohnt dominieren und Außenseiterin Anisimova sicherte sich tatsächlich dank eines weiteren Breaks den Satzgewinn.
Auch im zweiten Durchgang blieb es ausgegliche. Swiatek begann zu hadern und fand nicht mehr zurück in die Partie. Die nervenstarke Anisimova zog entscheidend davon.
Swiatek ging im Anschluss hart mit ihrer eigenen Leistung ins Gericht, lobte aber auch die Performance und Aggressivität ihrer Gegnerin. Mit dem Wimbledon-Finale habe das nichts mehr zu tun gehabt. „Es war völlig anders. Sie hat sich besser bewegt, sie hat besser gespielt. Alles war anders“, sagte Swiatek.

Geschichtsträchtiges Wimbledon-Endspiel
Die Polin muss die Hoffnungen auf ihren zweiten Grand-Slam-Titel in Serie aufgeben. Anisimova trifft am Donnerstag im Halbfinale auf die zweimalige japanische US-Open-Siegerin Naomi Osaka, die einen Zwei-Satz-Sieg gegen die Tschechin Karolina Muchova feierte. Im zweiten Halbfinale kommt es zur Neuauflage des letztjährigen Endspiels zwischen der Amerikanerin Jessica Pegula und der belarusischen Titelverteidigerin Aryna Sabalenka.
„Hier zu spielen, ist so verdammt besonders“, sagte Anisimova und lachte glücklich. „Ich habe den Lauf meines Lebens. Es ist so ein Traum.“