Zerbrochene goldene Krone auf neutralem Hintergrund.

Iranische Akademiker warnen vor Pahlavi als Treuhänder des Freiheitspreises

Oktober 7, 2026
1 min. lesezeit

Ein offener Brief an die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit begrüßt deren Entscheidung, den Freiheitspreis 2026 dem iranischen Volk zu widmen, warnt aber davor, Reza Pahlavi den Preis treuhänderisch entgegennehmen zu lassen. Die Unterzeichner bitten die Stiftung, diese Lösung zu überdenken.

Nach Angaben des Briefes würdigt der Preis eine Bevölkerung, deren langer Einsatz für verfassungsmäßige Ordnung, Bürgerrechte, Gleichheit vor dem Gesetz und demokratische Selbstbestimmung außergewöhnlichen Mut und Opferbereitschaft erfordert habe. Der Brief richtet sich an die Stiftung in Potsdam-Babelsberg.

Die Verfasser sehen in einer treuhänderischen Annahme durch Pahlavi das Risiko, einer Person symbolische Legitimität zu verschaffen, die kein demokratisches Mandat der iranischen Bevölkerung erhalten habe. Zugleich könne der Eindruck entstehen, er spreche im Namen der Ausgezeichneten.

Die Sorge richte sich nicht gegen Pahlavis familiären Hintergrund, heißt es in dem Schreiben, sondern gegen seine politische Bilanz und seine öffentlichen Positionen. Kritisch verweisen die Unterzeichner auf seine wiederholte Würdigung des Erbes seines Vaters, ohne die Repression unter dem Pahlavi-Staat ausdrücklich anzuerkennen.

Dazu zählen nach Darstellung des Briefes Einschränkungen politischer Freiheiten, Inhaftierung und Folter von Dissidenten sowie die Rolle des SAVAK. Außerdem halten die Verfasser Pahlavis vorgeschlagenes Übergangsmodell für ein Konzept, das erhebliche Macht bei einer einzigen, nicht gewählten Person bündele.

Demokratische Übergänge bräuchten von Beginn an institutionelle Sicherungen, Gewaltenteilung, Kontrolle und Gegengewichte, eine unabhängige Justiz und klare Rechenschaftspflichten, heißt es weiter. Die bloße Aussicht auf spätere Wahlen könne demokratische Legitimität in der Übergangszeit nicht ersetzen.

Der Brief regt an, die Stiftung solle den Preis zunächst in ihrer Verwahrung belassen, bis er an frei gewählte Vertreter des iranischen Volkes übergeben werden könne. So bleibe der überparteiliche Charakter der Auszeichnung erhalten und eine vorzeitige Legitimation eines politischen Lagers werde vermieden.

Kommentar hinzufügen

Your email address will not be published.

Nicht verpassen