Russische Agenten täuschen in Wien als ukrainische Extremisten
Russische Agenten täuschen in Wien als ukrainische Extremisten

Russische Agenten täuschen in Wien als ukrainische Extremisten

Dezember 15, 2025
1 min. lesezeit

Ein kürzlich veröffentlichtes Investigativmaterial von Profil, aufgegriffen von Ukrinform am 13. Dezember 2025, beschreibt, wie russische Agenten in Österreich unter dem Vorwand, ukrainische Neonazis zu sein, Desinformationskampagnen durchführen. Ziel war es, Vertrauen der österreichischen Bevölkerung in die Ukraine zu untergraben und die Unterstützung des Landes innerhalb der EU zu schwächen. Die Erkenntnisse basieren auf Unterlagen des österreichischen Staatssicherheits- und Nachrichtendienstes (DSN) sowie auf exklusivem Zugang zu Chats und Ermittlungsdateien.

Die Operation beinhaltete das Anbringen von antirussischen Graffiti an Wiener Gebäuden, die ukrainischen Gruppierungen zugeschrieben werden sollten. Die Leitung der Aktion erfolgte durch den ehemaligen Wirecard-Geschäftsführer Jan Marsalek, der seit Jahren für russische Geheimdienste tätig ist, unterstützt von dem Bulgaren Orlin Rusev. Die Kampagne nutzte Neonazi- und rechtsextreme Symbolik, kombiniert mit ukrainischen Farben und Parolen wie „Slava Ukraine“, um eine direkte Verbindung zu ukrainischen Gruppierungen, insbesondere dem „Asow“-Regiment, zu suggerieren.

Digitale Multiplikation der Desinformation

Parallel zur Straßenkampagne wurde ein Netz von Websites aufgebaut, die ukrainische Extremistenzellen in Europa imitieren sollten. Dazu gehörten Plattformen wie WeAreAzov.eu, NousSommesAzov.fr und WirSindAzov.de. Laut Marsalek stimmte die russische FSB die Provokationen ab und empfahl die flächendeckende Platzierung der Symbole in europäischen Städten, um politische und gesellschaftliche Reaktionen zu provozieren.

Der österreichische Desinformationsexperte Dietmar Pichler bezeichnete die Strategie als eine moderne Adaption historischer Muster: Schon während des Kalten Krieges wurden westdeutsche Städte mit Hakenkreuzen markiert, um politische Annäherungen zu stören. Heute werde dies mit digitalen Mitteln verstärkt, um gezielt die öffentliche Meinung und politische Positionen gegenüber der Ukraine zu beeinflussen.

Hybride Kriegsführung und westliche Gegenmaßnahmen

Die Operation ist Teil einer breiteren Aktivität russischer Geheimdienste, die seit 2022 durch die Schaffung neuer Abteilungen und Netzwerke nach Ausweisungen von Agenten 2022 wieder aktiv geworden sind. 2023 wurde beim russischen Militärnachrichtendienst ein „Department für Sonderaufgaben“ eingerichtet, das Attentate, Sabotageakte und die Platzierung von Sprengsätzen umfasst.

Russische Einflussoperationen kombinieren klassische Spionage, Sabotage und Informationsangriffe. Sie zielen darauf, politische Gegner im Ausland zu schwächen, Wahlprozesse zu beeinflussen, die Einheit der westlichen Staaten zu unterminieren und die Unterstützung für die Ukraine zu reduzieren. Die EU- und NATO-Staaten betrachten solche Aktivitäten zunehmend als Bedrohung der inneren Sicherheit, des politischen Systems und des öffentlichen Vertrauens.

Desinformation als Schlüsselstrategie

Informationsoperationen bleiben für Russland ein zentrales Mittel zur Einflussnahme auf westliche Demokratien. Durch gezielte Desinformation und die Nutzung „nützlicher Idioten“ in Politik und Medien wird Vertrauen in Regierungen untergraben, die Gesellschaft demoralisiert und die diplomatische Unterstützung für die Ukraine geschwächt. Dabei kommen sowohl klassische Medien als auch Telegram-Kanäle, Boto-Farmen und digitale Plattformen zum Einsatz.

Russlands hybride Strategie zeigt, dass Desinformation und physische Aktionen in Städten wie Wien Hand in Hand gehen, um die geopolitische Position des Kremls zu stärken und gleichzeitig westliche Staaten in ihrer Entscheidungsfähigkeit zu beeinträchtigen.

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