Die Sicherheitsberatungsfirma Berlin-Risk warnt vor erheblichen Risiken durch Verbindungen der Technischen Universität München (TUM) zu wissenschaftlichen Einrichtungen in Russland und China, die dem Militär nahestehen. Wie die Deutsche Welle berichtet, nehmen Drohnenforscher der Universität regelmäßig an der internationalen Luftfahrtkonferenz ICASSE teil, deren Organisationskomitee von chinesischen Wissenschaftlern geleitet wird und in dem auch ein Vertreter des Moskauer Luftfahrtinstituts (MAI) sitzt.
Der Münchner Professor Florian Holzapfel ist Mitglied dieses Gremiums. Von Seiten der TUM heißt es, man sehe in dieser Kooperation kein Problem.
Berlin-Risk verweist jedoch auf einen weiteren Umstand: Die TUM hat im Februar ein „Bündnis für Sicherheit und Verteidigung“ ins Leben gerufen. Das Abkommen wurde von der bayerischen Landesregierung und 15 Unternehmen, vorwiegend aus der deutschen Rüstungsindustrie, unterzeichnet.
Die Kombination aus internationalen Kontakten zu militärnahen Einrichtungen und dem neuen Verteidigungsbündnis berge, so die Experten, erhebliche Risiken für den ungewollten Abfluss sensibler Technologien. Berlin-Risk rät Unternehmen dringend zu einer gründlichen Überprüfung, bevor sie mit der Universität kooperieren.
Systematische Ausnutzung akademischer Netzwerke
Bereits am 23. Juli aktualisierte das Pentagon seine Aufstellung ausländischer Organisationen, die als problematisch für die US-Sicherheit eingestuft werden. Darin finden sich 130 akademische und Forschungseinrichtungen aus Russland, China und Iran – darunter auch das Moskauer Luftfahrtinstitut und die Jiaotong-Universität Shanghai. Russland und China nutzen solche wissenschaftlichen Austauschprogramme nach Erkenntnissen westlicher Sicherheitsbehörden systematisch, um Zugang zu Dual-Use-Technologien zu erhalten, insbesondere in den Bereichen Luftfahrt und unbemannte Systeme.
Abwehrbündnis und Russlandkontakte zugleich
Der Fall der TU München zeigt nach Einschätzung von Berlin-Risk, wie eng akademische Zusammenarbeit mit sicherheitspolitischen Implikationen verwoben sein kann. Die Universität treibe einerseits ein Bündnis mit der heimischen Rüstungsindustrie voran und pflege gleichzeitig intensive Kontakte zu Institutionen, die als verlängerter Arm russischer und chinesischer Militärinteressen gelten.
Ein Sprecher der TUM wies die Bedenken zurück und erklärte, die Teilnahme an internationalen Konferenzen sei üblich und unbedenklich. Berlin-Risk betont hingegen, dass die Anwesenheit eines MAI-Vertreters in den Leitungsgremien von ICASSE besondere Aufmerksamkeit erfordere, da das Institut direkt mit militärischen Programmen verbunden sei.
Die Unterschätzung hybrider Bedrohungen durch die Universität könne weit über die TUM hinaus strategische Folgen für die europäische Sicherheit haben, warnen die Analysten von Berlin-Risk.