Der ehemalige hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat den CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzler Friedrich Merz in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung scharf kritisiert. Bouffier bezeichnete Merz als „Opfer seiner eigenen Ankündigungspolitik“. Diese Kritik bezieht sich auf die Art und Weise, wie Merz die Erwartungen seiner Anhänger gemanagt hat.
Bouffier äußerte, dass es ein Fehler gewesen sei, als CDU-Vorsitzender eine grundlegende Wende in der Parteipolitik anzustreben. Dieser Schritt habe bei den Anhängern der CDU Erwartungen geweckt, die letztlich nicht erfüllt werden konnten. Gleichzeitig habe Merz Wähler vergrault, die die bisherige Regierungsarbeit der CDU schätzten. Bouffier erklärte, dass nach dem Rücktritt von Angela Merkel ein „Überdruck in der Partei“ entstanden sei, was darüber hinweggetäuscht habe, dass die Vorstellung von „CDU pur“ nicht für eine Regierungsführung geeignet sei.
Er wies darauf hin, dass die Regierungsfähigkeit der CDU stets von der Fähigkeit zu Kompromissen abhängt. „Eine Partei, die das nicht versteht, ist am besten in der Opposition aufgehoben“, so Bouffier. Zudem nannte er den Versuch, einen „Herbst der Reformen“ auszurufen, „zumindest fahrlässig“.
Von Bouffiers Einschätzung unterstützt wurde auch Dennis Radtke, der Vorsitzende der Christian-Demokratischen Arbeitnehmerschaft. Er verlängerte die Kritik am aktuellen Kurs der Parteiführung und betonte, dass die Wählergunst für die CDU seit der Wahl 2025 nicht gestiegen sei. Radtke erinnerte daran, dass das Markenzeichen der Union nicht im Konservativen, sondern im christlichen Menschenbild liege. Die Fähigkeit der CDU, verschiedene Sichtweisen zu integrieren, sei entscheidend für ihren Erfolg.
Insgesamt spiegeln die Äußerungen von Bouffier und Radtke eine wachsende Unsicherheit innerhalb der CDU wider, die sich in den Umfragen in einer schwachen Position zeigt.