Die geplante Reform des Bafög wird in Teilen verschoben. Die Erhöhung der Wohnkostenpauschale für Studierende, die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen, wird nun erst zum Sommersemester 2027 auf 440 Euro anstatt wie ursprünglich geplant zum Wintersemester 2026 umgesetzt. Dies wurde von den Koalitionsfraktionen aus CDU/CSU und SPD nach langen Verhandlungen beschlossen.
Die Reform sieht außerdem vor, den Bafög-Grundbedarf schrittweise an das Niveau der Grundsicherung anzugleichen, das aktuell bei 563 Euro liegt. Der Grundbedarf soll zum Wintersemester 2027/28 auf 503 Euro erhöht werden und im darauf folgenden Sommersemester 2029 auf die volle Grundsicherungshöhe angehoben werden. Die Anpassung der Fördersätze soll künftig auch an die Entwicklungen der Grundsicherung gekoppelt werden.
Aktuell liegt der Bafög-Grundbedarf bei 475 Euro. Zusammen mit der Wohnkostenpauschale können Empfänger bis zu 855 Euro erhalten. Bei zusätzlichen Zuschlägen für Krankenversicherungen kann der Bafög-Betrag bis auf maximal 992 Euro steigen. Laut Statistischem Bundesamt gab es 2024 etwa 612.800 Bafög-Empfänger, wobei 71 Prozent davon nicht bei ihren Eltern lebten.
Die Einkommensgrenzen zur Berechnung des Bafögs sollen ab Juli 2028 jährlich um 1,5 Prozent erhöht werden, um den Kreis der Förderberechtigten nicht durch Inflation und Lohnentwicklung zu verringern. Die Reform zielt auch darauf ab, die Antragstellung zu vereinfachen und zu digitalisieren.
Die Verzögerung der Bafög-Erhöhung wird von verschiedenen Seiten kritisiert. Das Deutsche Studierendenwerk spricht von einem „wichtigen Signal“ mit einem großen „Wermutstropfen“, während die Grünen der Bundesregierung vorwerfen, sie sei „notorisch wortbrüchig“. Vertreter der Linken kritisieren die Anpassung an das Grundsicherungsniveau als zu spät und nicht ausreichend, um der studentischen Armut entgegenzuwirken.
Der durchschnittliche Mietpreis für ein WG-Zimmer liegt derzeit bei 512 Euro, mit regionalen Unterschieden, die in Städten wie München deutlich höher sind. Studierende geben rund 53 Prozent ihres Einkommens für Wohnkosten aus, was über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung liegt. Das Bafög, eingeführt 1971 zur Beseitigung von Bildungshürden, wurde seitdem mehrfach reformiert und wird von Millionen Studierenden zur Finanzierung ihrer Ausbildung genutzt.