Der Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) hat die geplante Erhöhung der Tabaksteuer für 2026 scharf kritisiert und als wirtschaftspolitisch riskant eingestuft. Der Verband äußert Bedenken, dass die angestrebten Mehreinnahmen von 2,8 Milliarden Euro bis Ende 2027 nicht erreicht werden könnten. Stattdessen drohten steigende Anteile des Schwarzmarkts, sinkende Steuereinnahmen sowie eine zunehmende Belastung für Verbraucher und die Branche.
Laut Jan Mücke, Hauptgeschäftsführer des BVTE, sei die Annahme, dass schnelle Preiserhöhungen zu stabilen Einnahmen führten, realitätsfern. Er verweist auf die hohen Anteile nicht versteuerter Zigaretten, die bereits jetzt ein Problem darstellen: 2025 wurde der Anteil im deutschen Markt auf 20,9 Prozent geschätzt, in Ostdeutschland sogar über 40 Prozent. Diese Situation würde durch Steuererhöhungen weiter verschärft, da die Attraktivität alternativer Bezugsquellen steige und der legale Markt zusätzlich unter Druck gerate.
Das Vorhaben knüpft an frühere Fehlentscheidungen an: Zwischen 2002 und 2005 führten mehrere Tabaksteuererhöhungen zu erheblichen Marktverwerfungen und Einnahmeverlusten. Erfahrungen aus Nachbarländern wie Frankreich und den Niederlanden belegen, dass drastische Steuererhöhungen oft zu einem Rückgang des legalen Absatzes führen und den Schwarzmarkt stärken. In Frankreich liegt der Anteil der illegalen Zigaretten mittlerweile bei etwa 38 Prozent. In Deutschland, wo sich die Marktbedingungen durch die geografische Lage zu Niedrigsteuerländern als besonders anfällig erweisen, befürchtet der BVTE, dass sich der Schwarzmarkt weiter ausdehnen könnte.
Zusätzlich zu den fiskalischen Risiken befürchtet der Verband auch negative Auswirkungen auf die Wirtschaft. Eine destabilisierte Wertschöpfungskette könnte Arbeitsplätze im gesamten Sektor gefährden. Mücke hebt hervor, dass strukturelle Haushaltsprobleme nicht durch immer neue Steuererhöhungen gelöst werden sollten.
Der BVTE fordert eine langfristig angelegte Steuerpolitik mit moderaten Anpassungen, um Marktverwerfungen zu begrenzen und stabile staatliche Einnahmen zu sichern. Die aktuelle Debatte unterstreicht die Notwendigkeit, aus vergangenen Fehlern zu lernen, um die finanziellen und wirtschaftlichen Konsequenzen für die Branche und den Staat nicht zu gefährden.