Günter Krings, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hat die von Bundesfamilienministerin Karin Prien eingesetzte Kommission zur möglichen Reform des Prostitutionsrechts scharf kritisiert. In Interviews mit den Sendern RTL und ntv äußerte Krings, dass die Kommission einseitig besetzt sei, was er insbesondere an dem Vorsitzenden des Gremiums festmachte.
Krings nahm Bezug auf frühere Studien, die seiner Ansicht nach fragwürdige Ergebnisse vorlegen. Er verwies auf einen Evaluationsbericht einer kriminologischen Institution, auf den sich die Kommission stützt. Der Leiter dieser Institution leitet gleichzeitig die Kommission. Diese Studie, die unter rund 2.000 legal angemeldeten Prostituierten durchgeführt wurde, komme zu dem Ergebnis, dass ein Viertel der Befragten einen Hochschulabschluss habe und 80 Prozent über eine Krankenversicherung verfügen. Krings bezeichnete diese Daten als unrealistisch und wies darauf hin, dass nur etwa zehn Prozent der Prostituierten in Deutschland offiziell angemeldet seien.
Die Kritik von Krings zielt darauf ab, dass die Kommission ein verzerrtes Bild der Realität zeichne. Nach seiner Einschätzung gibt es in Deutschland lediglich 50 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Prostituierte. Die Unionsfraktion zeigt sich über die Einsetzung des Gremiums enttäuscht und besorgt. Die Zusammensetzung der Kommission spiele seiner Meinung nach eine entscheidende Rolle, um realistische Bedingungen im Bereich der Prostitution zu bewerten.