Im Landgericht Verden hat der Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette begonnen. Die 67-Jährige sieht sich Anklagen wegen schweren Raubes und Verstößen gegen Waffengesetze gegenüber. Klette, die zwischen 1999 und 2016 zusammen mit Komplizen mehrere Überfälle auf Geldtransporter und Supermärkte verübt haben soll, trat in ihrem Schlussvortrag als Verteidigerin ihrer eigenen Person auf.
Im Verlauf ihrer mehr als einstündigen Rede vertrat sie die Ansicht, dass ihre Taten notwendig waren, um das Überleben im Untergrund zu sichern. Ihre Unterstützer im Publikum reagierten auf ihre Ausführungen mit Jubel und Beifall. Klette erklärte, dass sie und andere radikale Linke nur in der Illegalität existieren konnten und stellte ihre Handlungen als Reaktion auf ein unterdrückerisches System dar.
Die Staatsanwaltschaft hat eine Haftstrafe von 15 Jahren gefordert, speziell wegen versuchten Mordes und bandenmäßigem Raub. Bei den Überfällen wurden Ermittlungen zufolge mehr als 2,7 Millionen Euro erbeutet. Im aktuellen Verfahren werden noch acht Raubüberfälle in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen behandelt, während fünf Überfälle nicht mehr verfolgt werden.
Ein Anwalt der Nebenklage kritisierte in seinem Plädoyer die mangelnde Reue Klette und verwies auf das Leid der Opfer, von denen viele seit den Überfällen traumatisiert sind. Besonders betroffen ist ein Mandant des Anwalts, der bei einem Überfall schwere psychische Folgen erlitten hat.
Während die Nebenklage den Fokus auf das Leid der Opfer legt, nahm Klette eine politische Wendung in ihrer Verteidigung. Sie stellte fest, dass die Ursachen für das Leid in der Gesellschaft vielfältig seien, nannte Armut und Rassismus und forderte grundlegende Veränderungen im System.
Der Prozess wird fortgesetzt, und die Verteidigung hat angekündigt, ihr Schlusswort abzugeben.