Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat auf seinem Bundeskongress in Berlin eine stärkere Wertschätzung für die Beschäftigten gefordert. Die Vorsitzende Yasmin Fahimi betonte, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland fleißig, zuverlässig, kompetent und engagiert seien. Sie wies darauf hin, dass politische und öffentliche Pauschalisierungen über die Leistungsbereitschaft der Beschäftigten nicht akzeptabel seien. Fahimi wurde mit 96 Prozent der Stimmen für eine weitere Amtszeit von vier Jahren in ihrem Amt bestätigt.
In ihrer Grundsatzrede machte Fahimi deutlich, dass die Beschäftigten die Grundlage einer gesunden Wirtschaft darstellen und forderte, ihnen endlich wieder den Respekt entgegenzubringen, den sie verdienen. Zudem kritisierte sie die von der Politik propagierten Reformen, die oft als notwendig dargestellt werden, dabei jedoch häufig mit Belastungen für die Mehrheit verbunden seien. Die Lasten von Steuern und Sozialabgaben auf Arbeitseinkommen seien im Vergleich zu den Erträgen aus Kapitalanlagen höher und müssten angegangen werden.
Fahimi wandte sich auch gegen die geplante Kürzung des Bundeszuschusses an die Rentenversicherung. Sie forderte, dass die Renten nicht an die Kassenlage der Regierung geknüpft werden dürften, und gewährte den gewerkschaftlichen Errungenschaften wie der betrieblichen Altersvorsorge, dass sie den Arbeitnehmern zugutekommen und Arbeitgeber nicht aus der Verantwortung entlassen sollten.
Besonders kritisch äußerte sich die DGB-Chefin zu den Sparmaßnahmen im Gesundheitssektor, die höhere Zuzahlungen für die Versicherten zur Folge haben könnten. Sie forderte zudem eine Mitfinanzierung der Krankenkosten von Bürgergeldbeziehern durch privat Versicherte, um die finanziellen Belastungen der gesetzlichen Krankenversicherung zu reduzieren.
Für eine Einkommensteuerreform sprach sich Fahimi aus, die kleine und mittlere Einkommen entlasten und gleichzeitig hohe Einkommen stärker an deren Finanzierung beteiligen soll. Pauschale Steuersenkungen für Unternehmen, die bereits in einer stabilen wirtschaftlichen Lage sind, lehnte sie ab.
Der DGB-Kongress, unter dem Motto „Stärker mit uns“, wird bis Mittwoch in Berlin fortgesetzt. Neben der Wiederwahl der DGB-Vorsitzenden werden auch die politischen Herausforderungen und Lösungen für die rund 5,4 Millionen Mitglieder der Gewerkschaft thematisiert. Am Dienstag sollen unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas auftreten.