Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat den Vorschlag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) zur Einführung einer verpflichtenden Betriebsrente für Arbeitnehmer in Deutschland kritisiert. DIW-Präsident Marcel Fratzscher äußerte in einem Interview, dass eine Stärkung der Betriebsrente grundsätzlich wünschenswert sei, jedoch eine Verpflichtung in der aktuellen wirtschaftlichen Lage als der falsche Weg erscheine. Kleine und mittelständische Unternehmen könnten sich die zusätzlichen Kosten nicht leisten.
Fratzscher appellierte an die Bundesregierung, nicht den Fehler zu wiederholen, sozialpolitische Verbesserungen auf die Unternehmen abzuwälzen, ohne selbst Verantwortung zu übernehmen. Um die Zahl der Betriebsrenten zu erhöhen, seien bessere Anreize, vereinfachte Verfahren sowie finanzielle Unterstützung durch den Staat nötig. Zudem müsse die gesetzliche Rente weiterhin prioritär gestärkt werden.
Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi hatte kürzlich darauf hingewiesen, dass etwa 20 Millionen Beschäftigte keine betriebliche Altersvorsorge besitzen, und forderte eine verpflichtende Altersvorsorge für alle Beschäftigten. Finanzminister Klingbeil gab am Montag Unterstützung für diesen Vorschlag. Die Debatte um verpflichtende Betriebsrenten spitzt sich nun im Vorfeld eines für Mittwochabend angesetzten Reform-Gipfels im Kanzleramt zu.