Mehrere Unternehmen aus energieintensiven Branchen haben eine grundlegende Reform des Emissionshandelssystems der Europäischen Union (EU) gefordert. In einem Schreiben an die Spitzenvertreter der EU appellieren sie an die Notwendigkeit, sofortige Maßnahmen zu ergreifen, um die steigenden Kosten zu stoppen und weitere Schäden an der industriellen Basis Europas zu verhindern. Zu den Absendern zählen unter anderem Arcelor-Mittal, BP, BASF, Thyssen-Krupp und Evonik.
In dem Schreiben betonen die Unternehmen, dass die Voraussetzungen für eine erfolgreiche industrielle Transformation derzeit nicht gegeben seien. Mangelnde Infrastruktur für Strom, Wasserstoff sowie den Transport und die Speicherung von CO2 seien wesentliche Faktoren. Zudem spiegle der Emissionshandel die globalen Gegebenheiten nicht mehr wider; Europa agiere in dieser Hinsicht faktisch isoliert, indem es seiner Industrie schnell steigende CO2-Kosten auferlege.
Industriebetriebe in der EU müssen Verschmutzungsrechte erwerben, um Treibhausgase auszustoßen. Ein Teil dieser Zertifikate wurde zuvor kostenlos zugeteilt, während der Rest an der Börse erstanden werden musste. Steigen die CO2-Preise schneller als die Unternehmen ihre Emissionen senken können, wachsen die Kosten unvermeidlich. Die Erlöse aus dem Emissionshandel fließen größtenteils in Klimaschutzmaßnahmen, darunter den Ausbau eines Wasserstoffnetzes für die Industrie.
Im Rahmen des EU-Klimapakets „Fit for 55“ wurde die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten teilweise abgeschafft, um den Klimawandel auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Zur Minderung von Wettbewerbsnachteilen wurde das CO2-Grenzausgleichssystem (CBAM) eingeführt, das eine Zollregelung für CO2-intensive Importe darstellt. Unternehmen aus Staaten mit vergleichbaren CO2-Zertifikatehandelssystemen sind von diesem Zoll ausgenommen.