Ex-Generalinspekteur Naumann sieht Wehrdienst als Übergang zur allgemeinen Wehrpflicht

Ex-Generalinspekteur Naumann sieht Wehrdienst als Übergang zur allgemeinen Wehrpflicht

Juli 25, 2026
1 min. lesezeit

Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Klaus Naumann, äußert Bedenken hinsichtlich des neu eingeführten freiwilligen Wehrdienstes von Verteidigungsminister Boris Pistorius. Naumann prognostiziert, dass dieser Wehrdienst bald durch eine allgemeine Dienstpflicht ersetzt werden könnte. Zwar betont er, dass die Rückkehr zur Wehrpflicht nicht „auf Knopfdruck” geschehen kann, jedoch sieht er die derzeitige Situation als unzureichend für die Rekrutierung in der Bundeswehr.

Seit Jahresbeginn wurden rund 300.000 Fragebögen an junge Menschen versendet, von denen nur ein geringer Teil positiv beantwortet wurde. Laut Naumann ist dies ein Indikator für die mangelnde Bereitschaft, in der Bundeswehr Dienst zu leisten. Er hebt hervor, dass die Bundeswehr dringend qualifiziertes Personal benötigt. „Wir brauchen junge Menschen, die leistungsbereit sind und die auch mit komplexer Technik zurechtkommen“, so Naumann.

Er betrachtet die 2011 ausgesetzte Wehrpflicht als „fantastisches Instrument“ zur Rekrutierung von länger dienstleistenden Soldaten. Naumann verweist darauf, dass sie seinerzeit einen bedeutenden Anteil an Offizier- und Unteroffiziernachwuchs sicherte, was heute nicht mehr der Fall sei. Er ist überzeugt, dass das Thema allgemeine Wehrpflicht früher oder später wieder auf die Agenda kommen wird. „Wir müssen dann sicherlich über eine allgemeine Dienstpflicht nachdenken, nicht nur über Wehrpflicht“, ergänzt er.

Naumann äußert zudem Sorgen über die allgemeine Bereitschaft der deutschen Gesellschaft, für die Verteidigung von Freiheit und Demokratie zu kämpfen. Er kritisiert, dass die Bevölkerung schlecht auf die neue Bedrohungslage vorbereitet sei und befürchtet, dass der notwendige gesellschaftliche Zusammenhalt für Verteidigungsfragen nicht gegeben ist. „Die Natur des Menschen wird es niemals zulassen, dass wir keine Kriege mehr sehen“, stellt er fest.

Die von Pistorius geforderte Kriegsfähigkeit der Bundeswehr verteidigt Naumann, sieht jedoch die Formulierung kritisch. Er interpretiert sie als notwendig, um sicherzustellen, dass die Streitkräfte in der Lage sind, Konflikte abzuwenden. Naumann bewertet die Ausrichtung der Bundeswehr in den vergangenen Jahrzehnten als unausgewogen und hebt hervor, dass die Balance zwischen Landes- und Bündnisverteidigung sowie Auslandseinsätzen nicht ausreichend beachtet wurde. Insbesondere kritisiert er die Auflösung der Heeresflugabwehrtruppe als einen gravierenden Fehler angesichts der möglichen Entwicklungen in der Kriegsführung.

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