EZB erhöht Zinsen aufgrund gestiegener Inflation erstmals seit September 2023

EZB erhöht Zinsen aufgrund gestiegener Inflation erstmals seit September 2023

Juni 11, 2026
1 min. lesezeit

Mit der ersten Zinserhöhung seit März 2023 reagiert die Europäische Zentralbank (EZB) auf die anhaltend steigende Inflation, die durch den Irak-Konflikt weiter angeheizt wird. Der EZB-Rat hat beschlossen, den Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent zu erhöhen. Diese Entscheidung wurde von Wirtschaftsexperten bereits erwartet.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärte in Frankfurt, dass die Zinserhöhung mehr als eine bloße Vorsichtsmaßnahme darstelle. Der anhaltende Konflikt im Iran könnte die Teuerung im Euroraum zwar weiter steigern, schwäche jedoch gleichzeitig die Wirtschaft. Lagarde machte keine konkreten Aussagen zu zukünftigen Zinsschritten und merkte an: „Es wird kommen, wie es kommen muss.“

Volkswirte rechnen mit zusätzlichen Zinserhöhungen in diesem Jahr, jedoch wird keine massive Serie erwartet. Die höheren Zinsen, die die Kreditaufnahme verteuern, könnten die Nachfrage senken und so die Inflation dämpfen. Gleichzeitig wird jedoch eine Gefahr für die bereits fragile Konjunktur gesehen. Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) äußerte Besorgnis, dass Zinserhöhungen den Mittelstand belasten könnten.

Mit der aktuellen Entscheidung wird kein Automatismus für weitere Zinsschritte im Juli angestoßen, so Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands BdB. Stattdessen wird die EZB die Preis- und Wirtschaftsentwicklung im Laufe des Sommers genau beobachten. Ökonomen erwarten dennoch, dass es im September zu weiteren Anpassungen kommen könnte. Zuletzt hatte die EZB den Zinssatz auf 2,0 Prozent gehalten, was seit September 2023 unverändert blieb.

Die Inflation im Euroraum hat im Mai 2026 laut ersten amtlichen Zahlen 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erreicht, was die Zielmarke der EZB von rund zwei Prozent übersteigt. In Deutschland wurde ein Anstieg der Teuerung ebenfalls verzeichnet, obwohl der Tankrabatt im Mai einen leicht dämpfenden Effekt hatte, sodass hierzulande die Inflation bei 2,6 Prozent lag.

Clemens Fuest, Präsident des Ifo Instituts, sieht die Zinserhöhung als den richtigen Schritt, gegeben die anhaltend hohe Inflation und die Unsicherheit im Iran-Konflikt. Die EZB rechnet für dieses Jahr im Durchschnitt mit einer Teuerungsrate von 3,0 Prozent und einem wirtschaftlichen Wachstum im Euroraum von lediglich 0,8 Prozent. Selbst bis 2027 wird eine Inflationsrate von 2,3 Prozent prognostiziert.

Steigende Leitzinsen kommen Sparer zugute, die von höheren Zinsen auf Fest- und Tagesgeldkonten profitieren. Aktuell bietet Festgeld mit zwei Jahren Laufzeit durchschnittlich 2,3 Prozent und für Tagesgeld 1,3 Prozent. Einige Banken haben Neukunden sogar Zinsen von bis zu 4 Prozent für Tagesgeld angeboten.

Die EZB betont, dass sie unbedingt eine neue Preiswelle im Euroraum verhindern wolle. Die entscheidenden Schritte erfolgen im Hinblick auf die Lehren, die sie aus den vergangenen Preisanstiegen während der Ukraine-Krise gezogen hat.

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