Der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg ist am Dienstag im Alter von 101 Jahren in der Stadt Leer verstorben. Weinberg hatte erst im März 2026 mit zahlreichen Gästen seinen 101. Geburtstag gefeiert und die Premiere eines Dokumentarfilms über sein Leben gefeiert. Seine Rückkehr in die ostfriesische Heimat erfolgte vor 14 Jahren, nachdem er zuvor in New York gelebt hatte.
Leer Bürgermeister Claus-Peter Horst erinnerte an Weinbergs unermüdlichen Einsatz, mit dem er seine Erfahrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus dokumentierte und vor dem Vergessen warnte. Die Stadt beschrieb Weinbergs Tod als erheblichen Verlust, da er während seiner Kindheit unter dem Nazi-Regime verfolgt wurde.
Weinberg überlebte die Konzentrationslager Auschwitz, Mittelbau-Dora und Bergen-Belsen sowie mehrere Todesmärsche. Die meisten Mitglieder seiner jüdischen Familie wurden während des Holocausts ermordet. Seit seiner Rückkehr nach Deutschland engagierte sich Weinberg aktiv in Schulen, um über den Holocaust zu berichten und gegen Antisemitismus sowie Rechtsextremismus einzutreten.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Weinbergs Bemühungen um Frieden und Versöhnung und betonte dessen bedeutenden Einfluss in Schulen. Besonders bemerkenswert war Weinbergs Rückgabe des Bundesverdienstkreuzes im Jahr 2023, die er aus Protest gegen erstarkenden Rechtsextremismus vollzog.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hob anlässlich Weinbergs 101. Geburtstag die Bedeutung seines Engagements für Menschenwürde, Respekt und Verantwortung hervor. Der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, beschrieb Weinberg als eine Persönlichkeit voller Würde und Humor.