Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat Bedenken gegenüber den neuen Regelungen zur Erleichterung für chronisch kranke Patienten geäußert, die ursprünglich darauf abzielen, häufige Arztbesuche zum Rezeptholen zu vermeiden. Der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, teilte mit, dass die neuen Bedingungen nur wenigen Betroffenen zugutekämen. So müssten beispielsweise Patienten mit Bluthochdruck und erhöhten Cholesterinwerten weiterhin quartalsweise in die Arztpraxis, ebenso wie Diabetiker und Patienten ab 75 Jahren.
Hintergrund dieser Kritik sind die seit 2025 von der Ampel-Koalition beschlossenen Maßnahmen, die vorsahen, eine „Versorgungspauschale“ für Patienten mit leichten chronischen Erkrankungen einzuführen. Diese Pauschale soll die Notwendigkeit von häufigen Arztbesuchen zum Zweck der Rezeptabholung verringern. Hausärzte haben die Möglichkeit, für bis zu ein Jahr eine Pauschale abzurechnen.
Die Umsetzung der Regelung sollte in einem Ausschuss von gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) geklärt werden, was jedoch Monate in Anspruch nahm. Geplant ist nun, dass ab dem 1. Juli eine Pauschale für ein halbes Jahr eingeführt wird. Diese gilt für Patienten zwischen 18 und 74 Jahren und ist auf bestimmte chronische Erkrankungen, wie Schilddrüsenerkrankungen oder Fettstoffwechselstörungen, beschränkt. Voraussetzung dafür ist, dass die Patienten lediglich ein Arzneimittel benötigen.
Brysch argumentierte, dass die tatsächlichen Ursachen für Ärztebesuche nicht allein bei den Patienten lägen, sondern oft auch bei den Ärzten, die die Zahl der Kontaktpunkte erhöhen würden. Das Bundesgesundheitsministerium äußerte sich zunächst nicht detailliert zur Regelung und prüft derzeit die Rechtskonformität des Beschlusses des Bewertungsausschusses.
Der Spitzenverband der Kassen sieht in der neuen Regelung dennoch eine positive Entwicklung für bestimmte chronisch Kranke, da diese von unnötigen Wegen zu Ärzten profitieren könnten. Sprecher Florian Lanz betonte, dass die neue Pauschale auch zu einer verstärkten Ausstellung von Jahresrezepten durch Ärzte führen soll. Aktuell würden häufig einfache Wiederholungsrezepte zu unnötigen Terminen führen, die dann für andere Patienten nicht verfügbar sind.
Der Hausärzteverband kritisierte die Maßnahmen als unzureichend und bezeichnete die Pauschale als „Bankrotterklärung des Systems der Selbstverwaltung“ im Gesundheitswesen. Viele chronisch Kranke würden weiterhin keine spürbaren Verbesserungen erleben.