Eine Mehrheit der Deutschen spricht sich gegen die geplante Pflicht zur Vorlage eines ärztlichen Attests ab dem ersten Krankheitstag aus. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Magazins „Stern“ und des Senders RTL lehnen 55 Prozent der Befragten diese Maßnahme ab, während 44 Prozent sie befürworten. Ein Prozent der Teilnehmer gab an, unsicher zu sein.
Der Vorschlag zur Attestpflicht ist Teil eines Reformpakets der Regierungskoalition, das in der vergangenen Woche vorgestellt wurde. Ziel der Reform ist es, die vermeintlich hohen Krankheitstage in Deutschland zu reduzieren. Arbeitnehmer sind hierzulande durchschnittlich 15 bis 20 Tage pro Jahr krankgeschrieben. Zudem soll die Möglichkeit der telefonischen Krankmeldung, die 2023 eingeführt wurde, abgeschafft werden.
Unter den Bevölkerungsgruppen zeigen sich deutliche Unterschiede in der Meinungsbildung. Während eine Mehrheit der über 45-Jährigen die Attestpflicht befürwortet, gibt es in der jüngeren Generation eine klare Ablehnung. Kritiker der Regelung, insbesondere aus Ärztekreisen, befürchten, dass Hausärzte durch die Pflicht zusätzlich belastet werden und Wartezimmer überfüllt sein könnten. Studien zeigen, dass nicht die telefonische Krankschreibung für die hohe Zahl an Krankheitstagen verantwortlich ist, sondern dass nun alle elektronisch erfassten Meldungen in die Statistiken einfließen.
Die Zustimmung zur Reform ist bei Anhängern der CDU/CSU mit 69 Prozent am ausgeprägtesten. Im Gegensatz dazu verzeichnen die Oppositionsparteien, insbesondere die Grünen und die Linke, eine ablehnende Haltung. Die Anhänger der SPD zeigen ein geteiltes Meinungsbild zu diesem Thema.