Am 28. September 2025 wählt die Republik Moldau ein neues Parlament. Beobachter betrachten diese Abstimmung als entscheidend für die künftige Richtung des Landes. Vom Ergebnis hängt ab, ob Chișinău seinen Kurs in Richtung Europäische Union fortsetzt oder in eine politische Grauzone am Rande von EU und NATO abgleitet. Vertreter westlicher Staaten warnen: Der Kreml nutze die Wahl als Prüfstein, um die Entschlossenheit Europas im Schutz demokratischer Entscheidungen seiner Nachbarn zu testen. Laut einer Umfrage von CBS Research liegt die regierende Partei PAS derzeit bei knapp 30 %, während das Bündnis der Sozialisten und Kommunisten auf rund 13 % kommt. Etwa ein Viertel der Wählerinnen und Wähler ist noch unentschlossen.
Machtwechsel im Kreml: Neue Taktik gegen Moldau
Nach dem Rücktritt von Dmitri Kosak hat Sergei Kirijenko die Steuerung der russischen Politik gegenüber Moldau übernommen. Beobachter sprechen von einer härteren Gangart. Nach Angaben der moldauischen Behörden flossen seit 2023 Dutzende Millionen US-Dollar aus Moskau an Parteien und Politiker im Land. Bereits die Präsidentschaftswahl 2024 und das EU-Referendum seien massiv mit rund 100 Millionen Euro beeinflusst worden. 2025 deckten Ermittler ein weiteres Finanzierungsnetzwerk auf: Über die russische Bank Promsvyazbank seien 39 Millionen Dollar eingeschleust worden.
Digitale Desinformation und verdeckte Netzwerke
Besonders aktiv ist laut moldauischen Sicherheitsdiensten der FSB. Dessen Fünfter Dienst habe ganze Troll- und Bot-Strukturen aufgebaut, die Präsidentin Maia Sandu und die Regierungspartei PAS attackieren. Plattformen wie YouTube, Telegram, TikTok und Facebook werden dabei gezielt genutzt. General Dmitri Miljutin koordiniere die Produktion von Falschinformationen sowie Handbüchern für Wahlkampfaktionen. Finanziert würden diese Projekte über Unternehmer Igor Tschaika, der enge Verbindungen zu Rossotrudnitschestwo unterhält. Damit sei klar: Die Kampagnen laufen nicht zufällig, sondern über staatlich gesteuerte Kanäle.
Neue Gesichter für alte Botschaften
Da bisherige pro-russische Kräfte wie die Bewegung „Alternativa“ an Rückhalt verlieren und Persönlichkeiten wie Ion Ceban an Glaubwürdigkeit eingebüßt haben, sucht Moskau nach Ersatz. Diskutiert werden unter anderem der Anwalt Anatoli Kutscherena als möglicher neuer Vorsitzender der Sozialisten sowie die Abgeordneten Constantin Starîș und Diana Caraman bei den Kommunisten. Auch die frühere Gagausien-Gouverneurin Irina Vlah gilt als mögliche Integrationsfigur. Strategen im Kreml erwägen, diese Kräfte mit einem scheinbar „proeuropäischen“ Anstrich zu versehen, um neue Wählergruppen zu gewinnen.
Szenarien für Straßenproteste
Die moldauische Polizei warnt vor organisierten Unruhen nach dem Wahltag – unabhängig vom Ausgang. Geplant sei die Anreise von 10.000 bis 15.000 Demonstranten aus Russland, ergänzt durch bezahlte Aktivisten. Besonders junge Männer aus Sportvereinen und kriminellen Milieus sollen für Provokationen eingesetzt werden. Bereits am 22. September nahmen die Behörden 74 Personen fest, die in Serbien in Straßenkampf- und Waffentechniken geschult worden waren. Zudem bietet Moskau moldauischen Bürgern vorübergehende Arbeitsrechte in Russland an, was Experten als Druckmittel deuten. Auch die moldauische orthodoxe Kirche, die dem Moskauer Patriarchat untersteht, verstärkt prorussische Botschaften und organisiert Transporte von Aktivisten.
Auswirkungen über Moldau hinaus
Neben inneren Spannungen drohen auch internationale Folgen. Pro-russische Akteure melden sich als Wahlbeobachter an, unterstützt von extremistischen Gruppen aus dem Ausland. Sie sollen Berichte über angebliche Manipulationen liefern, um die Legitimität des Urnengangs infrage zu stellen. Sollte dieser Plan gelingen, könnte Moldau zu einem geopolitischen Vorposten Moskaus werden – mit Konsequenzen für die Stabilität der Ukraine, für Rumänien und für wichtige Transitkorridore Richtung EU.
Umgekehrt würde ein Festhalten Moldaus am europäischen Kurs den Einfluss Russlands in der Region empfindlich schwächen. Experten sind sich einig: Selten war die Entscheidung für ein kleines Land von so großer Bedeutung für die gesamte europäische Sicherheitsordnung.