Neubewertung des Hautkrebs-Screenings in Deutschland durch onkoderm e.V. zur Sicherstellung der Versorgung gesetzlich Versicherter

Neubewertung des Hautkrebs-Screenings in Deutschland durch onkoderm e.V. zur Sicherstellung der Versorgung gesetzlich Versicherter

Mai 12, 2026
1 min. lesezeit

Die geplante Neubewertung des Hautkrebsscreenings für gesetzlich Versicherte in Deutschland hat eine intensive Debatte über dessen Nutzen und Evidenzbasis ausgelöst. In der aktuellen Diskussion wird häufig das Fehlen eines klaren Rückgangs der Hautkrebs-Mortalität angeführt. Dies ist jedoch eine zu enge Betrachtung, die den komplexen Charakter des Hautkrebs-Screenings nicht berücksichtigt. Das Screening dient nicht nur der Mortalitätsreduktion, sondern auch der frühzeitigen Diagnose, der Vermeidung fortgeschrittener Erkrankungsstadien und der Verminderung von Morbidität und Therapiebelastung.

Die Diskussion wird maßgeblich von den Fortschritten in der Behandlung von Hautkrebs beeinflusst, insbesondere durch Immuntherapien, die nachweislich die Behandlungsergebnisse verbessern können. Eine differenzierte Neubewertung der Evidenz ist daher notwendig, um die klinischen und gesundheitspolitischen Aspekte des Screenings angemessen aufzuzeigen.

Studien zeigen, dass mit der Einführung des Screenings die Diagnosen früher Melanomstadien zugenommen haben. Ein Anstieg von in situ und T1-Melanomen über mehrere Jahre hinweg belegt, dass Screening zu einer Verschiebung der Diagnosen in frühere Stadien führt, was einen entscheidenden Vorteil darstellt. Diese frühzeitige Erkennung hat das Potenzial, die Morbidität zu senken, da weniger invasive Behandlungen erforderlich sind.

Die Diskussion um die Effektivität des Screenings wird auch durch die Tatsache beeinflusst, dass die bisher vorliegenden Daten größtenteils aus einer Zeit stammen, in der moderne Therapien nicht zur Verfügung standen. Die Immuntherapeutika, die heute eine Schlüsselrolle in der Behandlung von Hochrisiko-Melanomen spielen, wurden erst in den letzten Jahren zugelassen. Daher sind die bisherigen Mortalitätsvergleiche nur eingeschränkt aussagekräftig.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass das deutsche Hautkrebsscreening nicht nur auf Melanome fokussiert ist. Es erfasst auch andere Hauttumoren wie Basalzell- und Plattenepithelkarzinome, die ebenfalls erhebliche medizinische Relevanz haben. Diese Tumore sind in der Bevölkerung häufig und können ebenso bedeutsame gesundheitliche Folgen mit sich bringen.

Zusätzlich zu den Melanomen werden bei der gesamten Körperuntersuchung auch andere dermatologische Auffälligkeiten entdeckt, die in der aktuellen Debatte oft nicht berücksichtigt werden. Die Ganzkörperuntersuchung hat sich als hilfreich erwiesen, um inzidentelle Malignome zu identifizieren, wodurch der diagnostische Nutzen des Screenings über die primären Zielstrukturen hinausgeht.

Einfache Vergleiche zwischen Ländern, die ein Hautkrebsscreening umgesetzt haben und solchen, die dies nicht tun, bieten nur begrenzte Einsichten. Melanom-Inzidenz, Therapiezugang und medizinische Versorgung unterscheiden sich erheblich zwischen den europäischen Ländern. Solche Vergleiche sind für die Beurteilung der Wirksamkeit eines Screenings nicht geeignet.

Die geplante Streichung des Hautkrebsscreenings wird von verschiedenen Experten als medizinisch nicht überzeugend erachtet, insbesondere wenn sie fast ausschließlich auf dem fehlenden positiven Mortalitätsnachweis basiert. Der tatsächliche Nutzen des Screenings wird in der frühzeitigen Diagnose von Melanomen sowie der Erfassung zahlreicher nichtmelanozytärer Hauttumoren gesehen. Eine fundierte Bewertung sollte daher auch Morbidität, Tumordicke und Lebensqualität sowie die Erkennung anderer Hauttumoren mit einbeziehen.

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