Der Polizeibeauftragte des Bundes, Uli Grötsch, hat in Berlin Unterstützung für eine Reform der Grenzkontrollen gefordert. Bei der Präsentation seines dritten Tätigkeitsberichts wies er auf die Notwendigkeit hin, moderne Technologien einzusetzen, um die Belastung der eingesetzten Beamten zu reduzieren. Grötsch kritisierte die derzeitige Personalsituation, bei der bis zu 14.000 Beamtinnen und Beamte für die Grenzkontrollen abgestellt sind, während die unerlaubten Einreisen im Jahr 2025 um 25 Prozent und die Asylanträge um 50 Prozent zurückgingen.
Grötsch wies darauf hin, dass alternative Maßnahmen, wie die automatisierte Kennzeichenerfassung und der Einsatz von Drohnen, in Betracht gezogen werden sollten. Der hohe Personaleinsatz an den Grenzen führe zu Überstunden und beanspruche Ressourcen, die für andere Aufgaben der Polizei benötigt werden. So seien an der Grenze zu Österreich regelmäßig bis zu 25 Beamte im Einsatz, die andernorts fehlen, etwa für Kontrollen in Bahnhöfen.
Das Amt des Polizeibeauftragten wurde 2024 von der Ampel-Koalition geschaffen, um strukturelle Mängel innerhalb der Bundespolizei und des Bundeskriminalamtes (BKA) zu identifizieren und Bürgern als Ansprechpartner zu dienen. Laut Grötsch ist die Zahl der Eingaben von 2025 auf 2026 um 58 Prozent gestiegen, was auf eine wachsende Akzeptanz des Amtes hinweist. Der Personalabbau ist insbesondere auf eine Zunahme der Bürgerbeschwerden zurückzuführen.
Grötsch sprach auch die Probleme von Diskriminierung und Racial Profiling an, die bei Kontrollen von Einreisenden auftraten. Zur Verbesserung der Situation fordert er mehr Sensibilisierung der Beamten und eine transparentere Kommunikationspolitik. Zudem thematisierte er Vorwürfe sexueller Belästigung innerhalb der Polizeibehörden, die eine Null-Toleranz-Kultur erforderten.
Abschließend berichtete Grötsch von gravierenden Mängeln an Dienstgebäuden, wie etwa an Ausbildungsstätten und Grenzkontrollstellen, wo teilweise nur rudimentäre sanitäre Einrichtungen zur Verfügung stehen. Das Amt hat sich jedoch bereits um Verbesserungen bemüht, sodass in allen Ausbildungszentren und auf Einsatzschiffen mittlerweile WLAN zur Verfügung steht.