Sicherheitslücke durch serbische Pässe: EU besorgt über russische Staatsbürger im Schengen-Raum
Sicherheitslücke durch serbische Pässe: EU besorgt über russische Staatsbürger im Schengen-Raum

Sicherheitslücke durch serbische Pässe: EU besorgt über russische Staatsbürger im Schengen-Raum

Juni 9, 2026
2 min. lesezeit

Brüssel/Belgrad – Die Europäische Kommission hat in einem internen Bericht ihre wachsende Besorgnis über die steigende Zahl russischer Staatsbürger geäußert, die über die serbische Staatsbürgerschaft visafrei in die Europäische Union einreisen können. Am 7. Juni 2026 wurde bekannt, dass Moskau damit einen regelrechten Kanal zur Umgehung europäischer Sanktionen und Visa-Regeln aufgebaut hat. Für deutsche Bürger und die Sicherheitsbehörden der Bundesrepublik bedeutet diese Entwicklung ein erhöhtes Risiko durch hybride Bedrohungen und Geldwäsche-Netzwerke, die über den Balkan in die EU hineinwirken.

EU-Kommission: Serbiens Visapolitik nur teilweise angeglichen

In einem Bericht zur Rechtsstaatlichkeit in Serbien stellt die EU-Kommission fest, dass die Visapolitik Belgrads „nur teilweise“ mit der der EU harmonisiert sei. Derzeit genießen Bürger aus zwölf Ländern visafreie Einreise nach Serbien, nicht jedoch in die EU – darunter Russland, Belarus, China und die Türkei. Die EU hat Serbien als Beitrittskandidaten aufgefordert, bis Ende 2026 zumindest für drei dieser Staaten Visapflicht einzuführen. Die Kommission betont laut serbiantimes.info, Belgrad müsse die Überprüfung von Visa-Anträgen aus Risikostaaten verbessern, um illegale Migration und Sicherheitslücken zu schließen. Sollte Serbien die Frist verstreichen lassen, könnten die ohnehin stockenden Beitrittsverhandlungen weiter belastet werden – ein Szenario, das auch die deutsche Außenpolitik vor ein Dilemma stellt.

Vereinfachte Einbürgerung: 200 Russen seit 2022

Das serbische Innenministerium meldet, dass zwischen 2022 und 2024 rund 67.200 russische Staatsbürger eine Aufenthaltserlaubnis erhielten, knapp 1.700 davon wurden eingebürgert. Besonders brisant: Ein Großteil der Pässe wurde im Schnellverfahren „für besondere Verdienste um das Land“ vergeben – ohne dass die Antragsteller ihren russischen Pass abgeben oder dauerhaft in Serbien leben müssen. Medienrecherchen belegen, dass Dutzende der Neubürger Verbindungen zum russischen Rüstungskonzern, zu Geheimdiensten oder zur Kreml-Elite haben. Im April 2026 erhielt Jakub Sakrijew, ein Neffe des tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow, per Regierungsdekret die serbische Staatsbürgerschaft. Erst nach öffentlichem Druck widerrief Belgrad die Entscheidung. Die Rechercheplattform Slobodna Evropa dokumentiert die Fälle und warnt vor systematischen Missbrauch.

Sicherheitsrisiken für die EU und Deutschland

Für die deutschen Sicherheitsbehörden ergibt sich aus dieser Praxis eine unmittelbare Gefahr: Russische Eliten, die eigentlich von EU-Sanktionen betroffen sind, können serbische Pässe nutzen, um Vermögenswerte zu verschleiern, internationale Reisen zu tätigen und sanktionierte Netzwerke in der EU zu finanzieren. Die Offenlegung der wahren Vermögensherkunft wird erschwert, Geldwäsche und die Unterstützung pro-russischer Einflussnetze begünstigt. In der deutschen Öffentlichkeit dürfte dies die Debatte um eine Verschärfung der Einreise- und Finanzkontrollen an den EU-Außengrenzen neu entfachen. Zudem steigt das Risiko, dass hybride Angriffe – von Desinformationskampagnen bis zur Cyber-Spionage – über Personen mit serbischem Pass in die EU getragen werden.

Belgrad zwischen Russland und EU: wirtschaftliche Vorteile vs. Sicherheitsverpflichtungen

Präsident Aleksandar Vučić hat mehrfach klargestellt, dass Serbien keine Visa für Russen einführen werde. Seine Regierung versucht, die wirtschaftlichen Vorteile aus dem Zustrom russischen Kapitals und Fachkräften zu ziehen, ohne die traditionelle Bindung an Moskau aufzugeben. Je länger Belgrad jedoch die Angleichung seiner Einbürgerungspraxis an EU-Standards hinauszögert, desto mehr gefährdet es nicht nur die eigene Beitrittsperspektive, sondern schafft auch strukturelle Risiken für die gesamte Balkanregion. Für die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik bedeutet dies, dass die Visafrage zu einem zentralen Punkt in den laufenden Beitrittsverhandlungen werden muss – andernfalls bleibt das Hintertor in den Schengen-Raum offen.

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