Die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf Verbraucher und Wirtschaft in Deutschland sind spürbar. An den Tankstellen sind die Spritpreise von Freitag bis Montag um 6 bis 7 Cent pro Liter gestiegen. Am Montag lag der bundesweite Durchschnittspreis für Super E10 bei 1,82 Euro und für Diesel bei 1,84 Euro. Auch am Dienstagmorgen setzte sich der Anstieg fort. Dieselpreise erhöhen sich dabei schneller als Benzinpreise. Durchschnittlich erhebt ein um 10 Cent gestiegener Spritpreis für den typischen Benzinfahrer monatlich weniger als 10 Euro Zusatzkosten.
Heizöl und Gas sind ebenfalls teurer geworden. Der Preis für 100 Liter Heizöl betrug am Dienstagvormittag über 123 Euro, was im Vergleich zu unter 100 Euro am Freitag einen erheblichen Anstieg darstellt. Dies betrifft vor allem Haushalte, die aktuell kaufen müssen. Die Gründe für die Preissteigerungen sind im Anstieg des Ölpreises zu finden, da der Konflikt im Iran die Straße von Hormus betrifft, eine der wichtigsten Routen für den globalen Öltransport. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie betont, dass die Versorgung Deutschlands gesichert ist, da das Land Rohöl aus etwa 30 verschiedenen Staaten bezieht.
Ebenfalls der Gaspreis stieg signifikant und erreichte an der Börse in Amsterdam den höchsten Stand seit über drei Jahren. Ein Lieferstopp von Flüssigerdgas aus Katar treibt die Preise weiter nach oben. Die Auswirkungen auf Verbraucher könnten jedoch durch langfristige Lieferverträge gemildert werden und hängen von der Stabilität der Großhandelspreise ab.
Steigende Preise können auch die Inflationsrate beeinflussen. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer stellt fest, dass die Inflation durch die erhöhte Nachfrage nach Öl und Gas steigen könnte. Ein längerer Konflikt im Iran würde die Inflation auf mindestens 3 Prozent anheben, weshalb die deutschen Verbraucher höhere Kosten zu erwarten haben.
Zusätzlich leiden Aktienmärkte unter den Unsicherheiten. Der Dax fiel am Dienstag auf den tiefsten Stand seit Dezember. Die anhaltenden politischen Spannungen haben auch die wirtschaftliche Stabilität Deutschlands in Gefahr gebracht. Experten warnen, dass ein anhaltender Konflikt erhebliche negative Folgen haben könnte. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, merkt an, dass die wirtschaftlichen Konsequenzen angesichts eines Ölpreisanstiegs signifikant wären.
Gabriel Felbermayr, Chef des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, bringt einen eher optimistischen Ausblick ins Spiel: Ein möglicher Regimewechsel im Iran könnte die wirtschaftlichen Beziehungen zu Europa verbessern und das deutsche Wachstum fördern. Ein solcher Wandel könnte sogar die deutsche Wirtschaft um 0,5 Prozent beschleunigen, da Irans einfacher Zugang zum globalen Markt Vorteile für den europäischen Maschinenbau liefern würde.