Der neue «Chancenmonitor» des Ifo Instituts zeigt eine erhebliche Ungleichheit in den Bildungschancen von Jungen und Mädchen in Deutschland. Bei den Gymnasialbesuchen liegt der Anteil der Jungen bei 36,9 Prozent, während 43,5 Prozent der Mädchen ein Gymnasium besuchen. Diese Diskrepanz verstärkt den bereits bestehenden Bildungskluft, die stark vom sozialen Hintergrund der Kinder abhängt. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) wies darauf hin, dass die Herkunft nach wie vor der entscheidende Faktor sei, aber auch das Geschlecht eine wesentliche Rolle spiele.
Für die aktuelle Studie werteten die Wissenschaftler Daten von nahezu 68.000 Kindern und Jugendlichen aus dem Mikrozensus 2022 aus. Untersucht wurden unter anderem der Bildungsstand der Eltern, das Haushaltseinkommen und der Migrationshintergrund. Die Erkenntnisse bestätigen eine frühere Studie, wonach Kinder aus wohlhabenden Familien mit Abitur signifikant höhere Chancen auf einen Gymnasialbesuch haben.
Die Wahrscheinlichkeit, eine Gymnasialempfehlung zu erhalten, liegt bei Kindern von Eltern ohne Abitur und mit einem Netto-Haushaltseinkommen unter 2.750 Euro bei lediglich 16,9 Prozent. Im Gegensatz dazu haben 80,3 Prozent der Kinder aus Familien mit Abitur und einem gemeinsamen Einkommen über 6.000 Euro diese Chance. Damit wird deutlich, dass sich die Ungleichheit in den Bildungschancen weiter verfestigt hat.
Bei der Betrachtung zwischen den Geschlechtern stellte die Studie fest, dass Mädchen gegenüber Jungen in der Schule klare Vorteile haben. Mädchen schneiden besser ab, besuchen seltener das Gymnasium, sind weniger anfällig für Lernschwierigkeiten und wiederholen seltener eine Klasse. Der Gender Gap bleibt auch in wohlhabenden Familien bestehen, auch wenn er dort geringfügig ausgeprägter ist.
Forschungsergebnisse zeigen, dass Jungen, selbst bei gleichen Noten, seltener eine Gymnasialempfehlung erhalten. Zu den Gründen für diese Unterschiede zählen unter anderem unterschiedliche Verhaltensweisen im Unterricht. Bildungsministerin Prien rief dazu auf, die Unterstützung für Jungen zu verstärken und die Bildungsangebote auszubauen.
Empfehlungen zur Förderung der Bildungsgleichheit umfassen unter anderem die Erhöhung der Anzahl männlicher Erzieher in Kitas und Schulen sowie gezielte Programme zur Leseförderung. Um die soziale Ungleichheit zu verringern, sollten zudem frühkindliche Bildungsangebote ausgebaut, die besten Lehrkräfte an Schulen mit vielen benachteiligten Kindern eingesetzt und Nachhilfeprogramme angeboten werden.
Abschließend forderte Prien die Bundesländer auf, trotz sinkender Kinderzahlen die Bildungsausgaben beizubehalten, um die Qualität im Bildungsbereich nachhaltig zu sichern.