Autokratien gewinnen weltweit an Einfluss, während demokratische Systeme unter Druck geraten. In der aktuellen Auswertung des „Transformationsindex 2026“ der Bertelsmann Stiftung (BTI), die 137 Staaten analysiert, wird festgestellt, dass inzwischen 56 Prozent der untersuchten Länder autokratisch regiert werden. Vor zwei Jahrzehnten war der Anteil der Demokratien mit 55 Prozent noch höher.
Die Studie deckt einen Rückgang der Rechtsstaatlichkeit, der politischen Freiheitsrechte und des fairen Wettbewerbs auf. Sabine Donner, Expertin der Stiftung, äußerte sich besorgt über die zunehmende Autokratisierung, sieht jedoch in dem Widerstand gegen Machtmissbrauch und Unterdrückung auch Hoffnung für die Demokratie.
Zwei Drittel der 77 als autokratisch bewerteten Staaten zählen zu den „harten Autokratien“, in denen grundlegende Menschenrechte missachtet werden. Dazu gehören Länder wie Russland, dessen Krieg gegen die Ukraine zu erheblichen Einschränkungen von Freiheiten geführt hat, sowie China und weitere Nationen, in denen repressiven Tendenzen zugenommen haben.
Der BTI bewertet alle zwei Jahre die Qualität demokratischer Institutionen, Regierungsführung und Marktwirtschaft. Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Japan und Kanada wurden in dieser Analyse ausgeschlossen, da bei diesen als stabil geltenden Demokratien kein Systemwandel zu erwarten sei.
Besonders besorgniserregend ist die Situation in den USA. Auch wenn das Land bislang nicht Teil des BTI ist, wird eine Erosion demokratischer Werte unter Präsident Donald Trump beobachtet. Die Einschränkungen der Pressefreiheit und die Aushöhlung der Justiz unabhängig von gesetzgeberischen Normen werden als alarmierend wahrgenommen. Donner warnt, dass die Demokratie in den USA derzeit stärker gefährdet sei als in anderen etablierten Demokratien.
Die Untersuchung hebt hervor, dass autokratische Regierungen verstärkt repressiv gegen Opposition, Medien und Zivilgesellschaft vorgehen, oft unter Einsatz digitaler Überwachung. In mehr als der Hälfte der untersuchten Länder entsprechen Wahlen nicht den demokratischen Mindeststandards und werden als manipuliert wahrgenommen.
Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung werden in autokratischen Systemen oftmals missachtet. Parlamente werden umgangen, die Unabhängigkeit der Justiz ist gefährdet, und in vielen Fällen führte der Rückbau demokratischer Institutionen zu Autokratien, wie es etwa in Ungarn und der Slowakei der Fall ist.
Gleichzeitig zeigt die Auswertung, dass in vielen Ländern ein lebendiger Widerstand gegen autoritäre Tendenzen besteht. Bürger engagieren sich aktiv gegen Unterdrückung, was in Ländern wie Bangladesch, Madagaskar und Sri Lanka bereits zu Regierungswechseln führte. Trotz der Herausforderungen bleibt der Widerstand gegen autoritäre Herrschaft bemerkenswert lebendig.