Die ehemalige Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier kritisiert die aktuellen Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung. In einem Interview mit dem „Spiegel“ äußerte sie Bedenken über das Gießkannenprinzip, das alle Bürger pauschal begünstigt. Ihrer Auffassung nach sollten gezielte Entlastungen an die 20 Prozent der Bevölkerung gerichtet werden, die sie tatsächlich benötigen, anstatt flächendeckende Maßnahmen wie den vereinheitlichten Tankrabatt einzuführen.
Malmendier argumentiert, dass eine bessere Verknüpfung der Datensätze aus Einkommenssteuer, Sozialleistungen und Auszahlungsmechanismen erforderlich sei. Sie sieht Potenzial in der Differenzierung der Ansätze, um gezielt Unterstützung gewähren zu können. Ein Beispiel dafür wäre, aus der Pendlerpauschale abzuleiten, welche Personen tatsächlich auf das Auto angewiesen sind. Ihr Vorschlag würde es der Regierung ermöglichen, Entlastungen nach Einkommen und individuellem Bedarf zu gewähren, wodurch Einsparungen von Steuergeldern möglich wären.
Zusätzlich thematisiert Malmendier die weitreichenden Effekte, die eine Reform des Steuersystems auf Bürokratie und Arbeitsanreize haben könnte. Sie fordert, die Anreize für Empfänger von Bürgergeld oder Mietzuschüssen zu überdenken, um die Bereitschaft zur Arbeitsaufnahme zu fördern. Derzeit, so Malmendier, würden viele potenzielle Arbeitnehmer durch hohe Abzüge des Staates von ihrem Lohn abgeschreckt. Diese Problematik sollte, ihrer Ansicht nach, vorrangig angegangen werden, bevor Umverteilungsthemen diskutiert werden.