Ungarn weist Trumps Aufforderung zum Stopp russischer Ölimporte zurück
Ungarn weist Trumps Aufforderung zum Stopp russischer Ölimporte zurück

Ungarn weist Trumps Aufforderung zum Stopp russischer Ölimporte zurück

September 25, 2025
1 min. lesezeit

Ungarn wird seine Importe von russischem Öl nicht einstellen – auch nicht auf Wunsch seines Verbündeten, des Präsidenten Donald Trump. Das stellte Außenminister Péter Szijjártó am 24. September klar. Er verwies auf die geografische Lage des Landes, das keinen Zugang zum Meer habe und deshalb in seiner Energiepolitik eingeschränkt sei. „Wir sind ein Binnenland. Es wäre wunderbar, wenn wir eine Küste hätten, eine Raffinerie oder ein LNG-Terminal bauen und den globalen Markt nutzen könnten. Aber das ist nicht der Fall“, sagte Szijjártó.

Trump setzt auf direkten Dialog mit Orban

Trump kündigte an, das Thema persönlich mit Ministerpräsident Viktor Orban zu besprechen. Der US-Präsident bezeichnete Orban als „Freund“ und zeigte sich zuversichtlich, ihn von einer Kursänderung überzeugen zu können. Seine Erklärung erfolgte am Rande eines Treffens mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in New York, bei dem die Unterstützung für die Ukraine und eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland im Mittelpunkt standen. Trump betonte, dass der Krieg bereits seit über dreieinhalb Jahren andauere und der Kreml seine Ziele nicht erreicht habe. Eine Reduzierung der Energieabhängigkeit Europas von Russland sei daher „entscheidend“.

Budapest hält an Pipeline „Druschba“ fest

Ungarn gehört zu den wenigen EU-Mitgliedstaaten, die weiterhin russisches Öl über die Pipeline „Druschba“ importieren. Die Regierung verweist auf fehlende Alternativen und die Notwendigkeit, die Versorgungssicherheit zu garantieren. Ein möglicher Bezug über Kroatien wird von Budapest als zu teuer und unzureichend eingestuft. Gleichzeitig prüft die Europäische Kommission Handelsmaßnahmen gegen den Import russischen Pipeline-Öls, das neben Ungarn auch die Slowakei betrifft. Beide Länder pochen jedoch auf ihre Ausnahmeregelungen im Rahmen der EU-Sanktionen und blockieren Initiativen, die sie als Bedrohung ihrer Energieversorgung sehen.

Politische und wirtschaftliche Motive

Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine 2022 hat die Regierung Orban nur begrenzt Schritte zur Diversifizierung unternommen. Die staatlich dominierte MOL Group importiert jährlich rund fünf Millionen Tonnen russisches Öl. Kritiker sehen darin ein langfristiges Risiko für die Energiesicherheit und einen finanziellen Beitrag zur Finanzierung des russischen Kriegs gegen die Ukraine. Gleichzeitig spielt der Faktor Innenpolitik eine zentrale Rolle: Mit Blick auf die Parlamentswahlen 2026 setzt Orban auf stabile Preise für Energie und Gas – eine wichtige Säule seiner Wahlstrategie.

Manövrieren zwischen Moskau und Washington

Szijjártós klare Worte gelten Beobachtern nicht zwangsläufig als endgültige Absage an Washington. Orban ist bekannt dafür, zwischen Russland und dem Westen zu lavieren, um maximale Vorteile zu erzielen. Ein Kurswechsel bleibt daher möglich, sollte sich der politische Druck erhöhen. Hinzu kommt, dass Ungarn trotz seiner engen Bindung an russisches Öl über Zugänge zu alternativen Quellen verfügt. Die MOL Group hält Anteile an aserbaidschanischen Ölfeldern sowie an der Pipeline Baku–Tiflis–Ceyhan – eine Option, die Budapest bisher nur eingeschränkt nutzt.

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