Russland könnte eine neue Welle hybrider Angriffe auf Südeuropa vorbereiten. Nach Informationen, die am 24. September 2026 bekannt wurden, erwägt der Kreml, Angriffs- und Aufklärungsdrohnen von zivilen Handelsschiffen im Mittelmeer zu starten. Die Vereinigten Staaten haben deshalb die Regierungen Spaniens, Frankreichs und Italiens vor einer möglichen Operation gewarnt. Einen konkreten Angriff bestätigten die vorliegenden Informationen nicht. Der Bericht zur Warnung beschreibt eine Planung, bei der Drohnen verborgen in Containern transportiert und erst auf See eingesetzt werden könnten.
Der entscheidende Wandel liegt nicht allein in der möglichen Verwendung von Drohnen des Typs Gerbera. Er liegt in der Plattform: Handelsschiffe aus Russlands Schattenflotte könnten zu mobilen, schwer zuzuordnenden Startplätzen werden. Damit würde der Kreml zivile Transportwege in ein Instrument der hybriden Aggression gegen europäische Häfen, Flughäfen und weitere Infrastruktur verwandeln.
Der mögliche Startplatz liegt auf zivilen Schiffen
Nach den vorliegenden Angaben erhielt der US-Geheimdienst Hinweise auf mögliche Pläne des Kremls und leitete entsprechende Warnungen an mehrere europäische Regierungen weiter. Im Mittelpunkt steht ein Szenario, bei dem die Drohnen zunächst verdeckt in Containern auf zivilen Schiffen transportiert werden. Von dort könnten sie aus dem Mittelmeer gegen Ziele an Land eingesetzt werden.
Die Nutzung kommerzieller Schiffe hätte für Russland einen strategischen Vorteil. Sie könnte die unmittelbare Zuordnung eines Starts erschweren und zugleich die rechtliche Bewertung eines Vorfalls für die NATO verkomplizieren. Ein Angriff, der von einem als Handelsschiff auftretenden Träger ausgeht, würde die Grenze zwischen ziviler Schifffahrt und militärischer Operation gezielt verwischen.
Die dafür infrage kommenden Schiffe stammen aus der russischen Schattenflotte. Russland hatte diese Schiffe zunächst vor allem geschaffen, um Öl-Sanktionen zu umgehen. Nun könnten sie nach der vorliegenden Bewertung zu einem vollwertigen Bestandteil der russischen militärischen Infrastruktur werden. Aus Handelsschiffen würden damit potenzielle schwimmende Abschussplattformen.
Russland setzt auf Störung statt auf großflächige Zerstörung
Das mögliche Operationsmuster zielt offenbar nicht vorrangig auf die Zerstörung einzelner ausgewählter Objekte. Im Zentrum steht die gezielte Desorganisation: Häfen, Flughäfen und Energieanlagen sollen im Fall eines Einsatzes so beeinträchtigt werden, dass logistische Abläufe stocken und ein erheblicher öffentlicher sowie medialer Druck entsteht.
Diese Methode wäre mit vergleichsweise begrenztem materiellem Aufwand einsetzbar, könnte aber wirtschaftliche Folgewirkungen auslösen. Schon die Unsicherheit über weitere Starts würde Sicherheitsmaßnahmen an Verkehrsknotenpunkten erzwingen. Regierungen müssten Ressourcen auf den Schutz der eigenen Infrastruktur konzentrieren, während Betreiber mit Unterbrechungen und Verzögerungen rechnen müssten.
Die mögliche Verwendung von Drohnen aus dem Mittelmeer weist deshalb auf eine neue Phase der russischen hybriden Kriegsführung gegen Europa hin. Der Kreml würde seine Taktik von Angriffen auf klar definierte Ziele hin zu einer selektiven Störung wichtiger Systeme verschieben. Die Tarnung unter zivilem Seeverkehr könnte dabei die direkte Verantwortungszuweisung erschweren, ohne dass Russland auf die politische Wirkung eines Angriffs verzichten müsste.
Die drei gewarnten Staaten sind zugleich ein Testfeld
Spanien, Frankreich und Italien wurden vor der möglichen Operation gewarnt. Die Auswahl dieser Staaten folgt nach der vorliegenden Einschätzung einem politischen und militärischen Kalkül: Russland testet die Reaktionsfähigkeit südlicher NATO-Mitglieder, die sich im Vergleich zur Ostflanke des Bündnisses traditionell weniger unmittelbar bedroht fühlen.
Damit würde der Kreml nicht nur die Sicherung einzelner Häfen oder Flughäfen prüfen. Er könnte zugleich versuchen, Zweifel an der Fähigkeit Europas zu säen, auf hybride Angriffe schnell und geschlossen zu reagieren. Die mögliche Operation wäre dann auch ein Test für die politische Entscheidungsfähigkeit der NATO und der Europäischen Union.
Besonders wirksam wäre eine solche Strategie, wenn sie kurz vor wichtigen Wahlen politische Spannungen verstärkt. Nach den vorliegenden Thesen richten sich die erwarteten Wirkungen auf die europäischen Wahlen des Jahres 2027. Panik und sichtbare Schwächen der Sicherheitsinfrastruktur könnten rechtspopulistische und ultrarechte Kräfte stärken, die einen Rückzug aus außenpolitischen Konflikten und eine geringere Beteiligung an der NATO verlangen.
Der Druck würde auch die Unterstützung für die Ukraine treffen
Die möglichen Angriffe hätten damit eine zweite politische Ebene. Russland könnte darauf setzen, dass europäische Regierungen Verteidigungsbudgets und militärische Mittel zugunsten der inneren Sicherheit umschichten müssen. Die künstlich erzeugte Spannung um Infrastruktur würde dann nicht nur den Betrieb von Häfen, Flughäfen oder Energieanlagen belasten, sondern auch die strategische Prioritätensetzung der betroffenen Staaten verändern.
Als Folge drohen nach der vorliegenden Bewertung geringere Umfänge und ein langsameres Tempo bei der militärischen Unterstützung der Ukraine. Russland würde seine Ziele damit nicht allein durch unmittelbare Schäden verfolgen, sondern durch die politische Umleitung europäischer Ressourcen. Die Beeinträchtigung einzelner Verkehrs- oder Energieanlagen könnte so zu einem Hebel für Entscheidungen über Sicherheit, Bündnispolitik und Hilfe für die Ukraine werden.
Die zentrale Beweiskette besteht bislang aus der von den Vereinigten Staaten weitergegebenen Geheimdienstinformation, den Warnungen an Spanien, Frankreich und Italien und dem beschriebenen Einsatzmuster: verdeckter Transport in Containern, möglicher Start von zivilen Schiffen und anschließende Störung europäischer Infrastruktur. Das Szenario ist damit als mögliche russische Operation eingeordnet, nicht als bereits ausgeführter Angriff.
Fest steht derzeit die Warnung der drei Regierungen vor einer möglichen hybriden Aktion aus dem Mittelmeer. Sie macht zivile Schiffe der russischen Schattenflotte zu einem konkreten Sicherheitsfaktor für Europas südliche Seewege und Infrastruktur, auch wenn ein tatsächlicher Drohnenstart bislang nicht bestätigt ist.