Wien verzeichnet dreifache Zunahme der Moscheen auf 108 Einrichtungen

Wien verzeichnet dreifache Zunahme der Moscheen auf 108 Einrichtungen

Mai 4, 2026
1 min. lesezeit

Die Zahl islamischer Gebetsstätten in Wien ist in den letzten 20 Jahren von 30 auf 108 gestiegen. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass rund 15 Prozent der Bevölkerung in Wien muslimisch ist, was etwa 285.000 Menschen entspricht. Damit stellt der Islam die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft in Österreich dar, nach der katholischen Kirche. Der Anstieg der Moscheen und Gebetsräume fällt in eine Zeit, in der die katholische Kirche in Wien zahlreiche Standorte aufgibt.

Die Verteilung der Moscheen in Wien ist ungleich. Die meisten Einrichtungen befinden sich in Favoriten mit 22 Moscheen, gefolgt von Brigittenau (14), Rudolfsheim-Fünfhaus (13) und Meidling (12). In anderen Bezirken wie Neubau, Hietzing und Döbling sind dagegen keine registrierten Moscheen zu finden. Diese Konzentration führt regelmäßig zu Diskussionen über Integration und die Entstehung von Parallelgesellschaften.

Die islamische Landschaft in Österreich ist organisatorisch zersplittert. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) umfasst etwa 350 Moscheegemeinden, die teils unterschiedlichen Teilgemeinden angehören. Die meisten Gebetsräume befinden sich in umgenutzten Fabrikhallen oder Wohnungen, während repräsentative Moscheen mit Minaretten eine Seltenheit darstellen.

In der politischen Debatte wird auch das Thema Kopftuch erörtert. Integrationsministerin Claudia Bauer und IGGÖ-Präsident Ümit Vural haben sich Ende April über ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren in Schulen ausgetauscht, was die Spannungen zwischen staatlichen Vorgaben und religiöser Praxis verdeutlicht. Vor dem Hintergrund des Islamgesetzes von 2015 wird weiterhin versucht, die Abhängigkeit von ausländischen Geldgebern zu reduzieren.

Der Kontrast zur katholischen Kirche ist erheblich. Die Erzdiözese Wien rechnet bis 2033 mit etwa 150 Kirchenschließungen aufgrund von Mitgliederschwund und finanziellen Engpässen. Soziologen beobachten eine Verschiebung der religiösen Sichtbarkeit in der Stadt, wo durch private Initiativen immer mehr islamische Gebetsräume entstehen.

Der Integrationsbericht zeigt, dass Österreich auch durch Migration wächst. Fast 28 Prozent der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund, wobei Moscheen als soziale Ankerpunkte für Zuwanderer fungieren, jedoch auch die Integration erschweren können, wenn sie sich zu stark von der Mehrheitsgesellschaft abgrenzen. Die IGGÖ verweist auf verschiedene gemeinsame Projekte und betont die Notwendigkeit von Ausbildungsprogrammen für Imame.

In Zukunft wird sich die islamische Infrastruktur in Österreich weiter professionalisieren müssen, wobei die Herausforderungen in der Finanzierung und der Bekämpfung radikaler Tendenzen an Bedeutung gewinnen werden. Der Dialog zwischen den Religionsvertretern und dem Staat könnte entscheidend sein für den sozialen Frieden in dieser religiös vielfältigen Gesellschaft.

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