Mehrere tausend Menschen haben sich in Bautzen zum 3. Christopher Street Day versammelt. Auch rechte Gegendemonstranten sind vor Ort. Ein Großaufgebot an Polizisten soll die Veranstaltung absichern. Bei Störungen und Ausschreitungen wollen die Beamten konsequent reagieren.
Rund 3.300 Menschen haben sich am Sonntag laut Polizei an der Parade zum Christopher Street Day in Bautzen beteiligt, um für die Rechte von Schwulen, Lesben und Trans-Personen zu demonstrieren. 3.000 entfielen dabei auf die CSD-Teilnehmer und 270 auf die Unterstützer-Demo. Auf der anderen Seite nahmen laut Polizei rund 450 Menschen an einer Gegenveranstaltung „gegen Genderwahn“ teil. Damit fiel der Gegenprotest kleiner aus als im Vorjahr, als sich rund 680 Menschen aus dem rechtsextremen Spektrum versammelt hatten.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland sind zum CSD in Bautzen angereist, unter anderem aus Frankfurt, München, Berlin. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Polizei zieht positive Bilanz
Die Polizei sprach auf Anfrage von MDR SACHSEN von einem „friedlichen Verlauf. Es sei gelungen, die gegnerischen Lager zu trennen. „Jeder konnte seine Meinung äußern“, erklärte Polizeisprecher Kai Siebenäuger. Es habe lediglich hier und da kleinere verbale Auseinandersetzungen gegeben. „Aber bislang haben wir keine Kenntnis von größeren Verstößen“, sagte Siebenäuger.

Bei der rechten Gegendemo waren Transparente zu sehen, auf denen unter anderem stand: „Es gibt nur Mann und Frau“. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Polizei war nach eigenen Angaben mit „starken Kräften“ vor Ort. Genaue Zahlen wurden aus taktischen Gründen zunächst nicht genannt. Die Landespolizei wurde bei dem Einsatz von der Bundespolizei unterstützt.

Am Platz vor der Maria-und-Martha-Kirche versammelten sich die die Teilnehmer der CSD-Demo gegen Mittag. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Münchnerin von Sicherheitsaufgebot erstaunt
Ungewöhnlich findet ein derartiges Sicherheitsaufgebot bei einem CSD Silvia Schwarz aus München. „In München ist der CSD eine große Party. Man hat aber auch da gesehen, dass die Gegenbewegung sichtbar wird. Aber wir sind noch in der glücklichen Lage, wie in vielen Großstädten, dass wir einfach nicht solche starken rechten Gruppen haben.“ Sie sei bewusst angereist, um den CSD in Bautzen zu unterstützen, weil es im vergangenen Jahr so viel Gegenwind und Gegenverstaltungen von Rechten gegeben habe, sagte Schwarz.

Silvia Schwarz ist aus München angereist, um den CSD in Bautzen zu unterstützen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Kellermann: „Ich fühle mich sicherer als im vergangenen Jahr“
Erneut mit dabei war beim CSD die Journalistin Georgine Kellermann. „Ich fühle mich sicherer als im vergangenen Jahr. Erstens weil es mehr Leute sind und zweitens weil ich gaube, dass die Polizei eine stärkere Präsenz gezeigt hat“, sagte Kellermann. Es brauche mehr Mut nach Bautzen zum CSD zu gehen, als den CSD in größeren Städten zu besuchen. „In Leipzig oder Dresden sind die CSD’s schon so groß, dass das viel Sicherheit vermittelt. In Bautzen ist der rechte Mob dem CSD hingegen 2024 sehr nahe bekommen. Ohne die Anwesenheit der Polizei wäre es sicherlich rabiat und gewalttätig geworden“, denkt die Journalistin, die gerade die kleineren CSD’s im Osten unterstützen möchte.

Georgine Kellermann findet es wichtig, zum CSD in Bautzen zu gehen und freut sich, dass vor dem Rathaus der Stadt die Regenbogenflagge gehisst wurde. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Aggression von Rechts? Großaufgebot der Polizei
Im vergangenen Jahr wurde die Veranstaltung von zwei Gegendemonstrationen aus dem rechtsextremen Spektrum begleitetund von Drohgebärden überschattet. Das verursachte bundesweit Schlagzeilen. „Es ist dem Einsatz unserer Polizisten zu verdanken, dass CSDs überhaupt noch stattfinden“, sagte die Grünen-Politikerin Katja Meierunlängst im Sächsischen Landtag. Auch die BSW-Abgeordnete Doreen Voigt bilanzierte: „In Sachsen sind CSD-Veranstaltungen ohne Polizeischutz nicht möglich. Das ist sehr traurig.“

Zum dritten Mal wird in Bautzen am Sonntag der Christopher Street Day gefeiert. (Archivbild)Bildrechte: picture alliance/dpa | Sebastian Willnow
2024 war eine für den Abend geplante Party aus Sicherheitsgründen ganz abgesagt worden. Damals wurde CSD-Besuchern geraten, möglichst nur in Gruppen in Bautzen unterwegs sein. Um die kleine queere Community in der Oberlausitz zu unterstützen, reisten im vergangenen Jahr zum zweiten CSD mehrere Hundert Teilnehmende von auswärts an.
Landkreis schränkt Versammlungsrecht ein
Wegen der aggressiven rechtsextremen Proteste 2024 schränkt der Landkreis an diesem Sonntag das Versammlungsrecht ein. Demnach dürfen die Demoteilnehmer unter anderem keine einheitliche schwarze Kleidung tragen, die den Eindruck von Gewaltbereitschaft vermitteln oder eine einschüchternde Wirkung haben könnte.
Bomberjacken und Springerstiefel sind ebenso tabu wie aufgespannte Regenschirme, die das Gesicht verdecken sollen. Auch dürfe weder im Gleichschritt marschiert werden noch dürften Trommeln im Marschtakt geschlagen werden, heißt es in der Verfügung. Verboten sind zudem Fackeln und Pyrotechnik jeder Art.
Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz in Bautzen vor. Sie rechnet mit 2.000 bis 3.000 Teilnehmenden bei der Demonstration für die Rechte von Schwulen, Lesben und Trans-Personen. Außerdem will eine Gegendemonstration aus dem politisch rechten Spektrum mit 300 bis 700 Personen dem CSD folgen.

Gegendemos rechter Gruppierungen sorgten beim CSD im vergangenen Jahr in Bautzen für eine angespannte Stimmung in der Stadt. Hunderte Menschen wollten sich mit dem CSD solidarisieren und reisten von auswärts an. (Archivbild)Bildrechte: picture alliance/dpa | Sebastian Willnow
Verkehrseinschränkungen im Stadtgebiet
Wegen des 3. Christopher Street Day (CSD) kommt es am Sonntag in Bautzen zu erheblichen Verkehrseinschränkungen in der Innenstadt. Auch der öffentliche Personennahverkehr ist betroffen, informioerte die Stadtverwaltung. Linien würden abweichend vom normalen Streckenplan fahren. Während der An- und Abreisezeiten sei zudem mit vollen Zügen in Richtung Dresden und Görlitz zu rechnen.
Zeitweilige Park und Halteverbote eingerichtet
Der Demozug startet am Busbahnhof, führt über den Friedrich-Engels-Platz, die Taucher- und die Löbauer Straße zum Holzmarkt. Von da geht’s über die Steinstraße via Kornmarkt die Karl-Marx-Straße entlang, zum Postplatz, weiter über die Bahnhofstraße. Enden soll der CSD-Zug am Rathenauplatz. Auf der Karl-Marx-Straße, dem Friedrich-Engels-Platz und auf dem Postplatz gilt am Sonntag in der Zeit von 10 bis 18 Uhr ein zeitweiliges Halte- oder Parkverbot.
Christopher Street Day– Der Christopher Street Day findet jedes Jahr in vielen Städten in aller Welt statt und erinnert an Ereignisse am 28. Juni 1969: Polizisten stürmten damals die New Yorker Schwulen- und Lesbenbar „Stonewall Inn“ in der Christopher Street und lösten dadurch mehrtägige Proteste von Schwulen, Lesben und Transsexuellen aus.
– Der CSD soll an die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Intersexuellen und queeren Menschen erinnern.
ÖPNV: Unregelmäßiger Stadtverkehr, weniger Haltestellen
Wer am Sonntag mit dem öffentlichen Nahverkehr in Bautzen unterwegs ist, sollte sich vorab im Internet informieren: Weil der Sammelpunkt für Anreisende am Busbahnhof ist, fährt laut Verkehrsunternehmen Regionalbus Oberlausitz (RBO) am Sonntag kein regulärer Linenverkehr im Stadtgebiet Bautzen. Daher fahren die Überlandlinien am Sonntag nicht ins Stadtzentrum, sondern enden am Stadtrand. Mindestens acht Haltestellen in der Innenstadt werden nicht bedient. Von Umleitungen betroffen sind die Linien 510, 511, 512, 530, 727, 735, 500, 501, 503 und 502.
Für die Linien 11, 13 und 14 gebe es keinen Ersatzfahrplan. Diese würden soweit möglich auf ihrem normalen Linienweg verkehren. Situationsabhängig könne es zu Umleitungen kommen.