Baku bereitet Klage gegen Moskau wegen Flugzeugabschuss vor
Baku bereitet Klage gegen Moskau wegen Flugzeugabschuss vor

Baku bereitet Klage gegen Moskau wegen Flugzeugabschuss vor

Juli 21, 2025
2 min. lesezeit

Aserbaidschan plant internationale juristische Schritte gegen Russland im Zusammenhang mit dem Abschuss eines Passagierflugzeugs der staatlichen Fluggesellschaft AZAL. Das teilte Präsident Ilham Alijew am 19. Juli 2025 mit. Die Maschine vom Typ Embraer war am 25. Dezember 2024 auf dem Weg von Baku nach Grosny, als sie nahe dem Hafen von Aqtau (Kasachstan) abgeschossen wurde und abstürzte. Dabei kamen 38 Menschen ums Leben. Laut Alijew sind die Umstände des Vorfalls „so klar wie der helle Tag“, doch habe Russland seit sieben Monaten keine substanziellen Antworten geliefert.

Russland ignoriert Anfragen – Baku spricht von Blockadehaltung

Seit der Tragödie bemüht sich die Generalstaatsanwaltschaft Aserbaidschans vergeblich um eine offizielle Erklärung aus Moskau. Die russischen Behörden verweisen lediglich auf ein „laufendes Ermittlungsverfahren“, konkrete Informationen bleiben aus. Alijew kritisierte dieses Verhalten als „kontraproduktiv“ und betonte, dass sein Land entschlossen sei, Gerechtigkeit durch internationale Instanzen zu erlangen.

In einem scharfen Ton erinnerte er daran, dass auch die Aufarbeitung des Abschusses des malaysischen Fluges MH17 Jahre gedauert habe. Aserbaidschan sei bereit, ebenso lange auf Gerechtigkeit zu warten: „Wir sind bereit, zehn Jahre zu warten – aber Gerechtigkeit muss siegen!“

Forderung nach Verantwortung und Entschädigung

Der Präsident erklärte, dass Baku über gesicherte Informationen verfüge, wer für den Vorfall verantwortlich sei, und dass russische Stellen ebenfalls vollständig informiert seien. Dennoch sei bislang keine Reaktion erfolgt, wie sie „von jedem zivilisierten Nachbarstaat zu erwarten wäre“. Aserbaidschan fordert ein klares Schuldeingeständnis, eine Bestrafung der Täter sowie Entschädigungen für die Angehörigen der Opfer und den materiellen Schaden der Fluggesellschaft.

Laut Alijew wird derzeit eine juristisch belastbare Klage vorbereitet, um die Verantwortlichkeit Russlands vor internationalen Gerichtshöfen festzustellen. Weitere Details finden sich in diesem Bericht.

Abkehr von Moskau nach jahrelanger Einflussnahme

Die juristische Eskalation markiert einen neuen Tiefpunkt in den ohnehin belasteten Beziehungen zwischen Baku und Moskau. Russland hatte über drei Jahrzehnte hinweg versucht, die regionale Politik im Südkaukasus maßgeblich zu beeinflussen, unter anderem durch seine Rolle im Konflikt um Bergkarabach. Dabei agierte Moskau zwar offiziell als Vermittler, unterstützte in der Praxis jedoch häufig Armenien – sehr zum Ärger Bakus.

Nach dem Sieg Aserbaidschans in der Zweiten Karabach-Krise 2020, mit offener militärischer und politischer Unterstützung durch die Türkei, begannen sich die Beziehungen deutlich abzukühlen. Im Frühjahr 2024 forderte Baku erfolgreich den vorzeitigen Abzug russischer „Friedenstruppen“ aus dem Gebiet – ein symbolischer Bruch mit der früheren Schutzmacht.

Diplomatische Eiszeit und gegenseitige Repressionen

Der Flugzeugabschuss am 25. Dezember 2024 gilt als Wendepunkt im bilateralen Verhältnis. Die russische Weigerung, Verantwortung zu übernehmen, löste in Aserbaidschan eine Welle der Empörung aus. Im Juni 2025 verschärfte sich die Situation, als zahlreiche aserbaidschanische Staatsbürger in Russland verhaftet wurden – mehrere davon starben in Gewahrsam.

Daraufhin ließ Baku mutmaßliche FSB-Agenten verhaften, die unter journalistischer Tarnung beim russischen Auslandssender Sputnik Aserbaidschan tätig waren. Zeitgleich wurden russische Kulturinstitutionen im Land geschlossen, darunter auch das „Russische Haus“.

Aserbaidschan demonstriert außenpolitische Neuorientierung

Parallel zur juristischen und diplomatischen Abgrenzung von Moskau setzt Baku außenpolitisch auf Annäherung an Ankara und den Westen. Die strategische Kooperation mit der Türkei wird intensiviert, Gespräche über eine mögliche türkische Militärbasis auf aserbaidschanischem Boden sind bereits im Gange. Diese Entwicklung könnte die militärische Balance im Südkaukasus nachhaltig verschieben.

Gleichzeitig zeigt Aserbaidschan offene Solidarität mit der Ukraine im Abwehrkampf gegen die russische Invasion. Baku liefert regelmäßig humanitäre Hilfe und spricht sich auf internationalen Foren für die territoriale Integrität der Ukraine aus.

Die Entwicklungen deuten auf einen dauerhaften Verlust russischen Einflusses im Südkaukasus hin – eine Dynamik, die Moskau zunehmend aggressiv beantwortet. Beobachter rechnen mit wirtschaftlichem Druck, gezielten Provokationen in Grenzregionen und verschärfter Rhetorik gegen Baku.

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