Die Europäische Union hat im Rahmen des 19. Sanktionspakets gegen Russland weitreichende Maßnahmen beschlossen. Ziel ist es, den Druck auf Moskau wegen des Angriffskrieges gegen die Ukraine zu erhöhen. Neben neuen Finanzauflagen und Einschränkungen beim Ölhandel richtet sich das Paket vor allem gegen die sogenannte „Schattenflotte“ russischer Tanker, die in maritimen Risikogebieten verkehren. Mehr als 2500 Personen und Unternehmen sind betroffen, darunter auch der Ölkonzern Lukoil und seine Tochtergesellschaft Litasco. Berlin und Paris hatten sich dafür eingesetzt, diese Unternehmen in die Liste der sanktionierten Akteure aufzunehmen.
Warnung vor Umweltkatastrophen durch veraltete Tanker
Der polnische Außenminister Radosław Sikorski betonte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass Einnahmen aus dem Verkauf von Öl über die „Schattenflotte“ direkt in die Finanzierung des russischen Militärs fließen. Die Tanker seien veraltet, unzureichend versichert und stellten eine erhebliche Gefahr für die Meeresumwelt dar. Sikorski schlug vor, dass Deutschland und die NATO im Nordseegebiet eine Kontrollzone einrichten könnten, um den Zugang dieser Schiffe zur Ostsee einzuschränken. Er warnte vor einer drohenden Umweltkatastrophe von beispiellosem Ausmaß.
Beispiel Kertsch-Katastrophe
Als Beleg führte Sikorski die Havarie der Tanker „Volgoneft-212“ und „Volgoneft-239“ im Dezember 2024 an. Vor der Küste der Straße von Kertsch kam es dabei zu einer massiven Ölverschmutzung, bei der mehr als 8000 Tonnen Schweröl ins Schwarze Meer gelangten. Die Vereinten Nationen kritisierten, dass die Tanker nur für Flussfahrten ausgelegt gewesen seien und dennoch unter Aufsicht des Russischen Klassifikationsverbands im Seeverkehr eingesetzt wurden. Experten sehen darin ein systematisches Risiko, da Russland weiterhin über 80 dieser alten Schiffe weltweit betreibt.
Internationale Reaktionen und neue Sanktionen
Auch andere Staaten reagierten: Die UN-Wirtschaftskommission für Europa bestätigte im Februar 2025 die Schwere der Umweltfolgen und forderte internationale Maßnahmen. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation hatte bereits im Januar auf die Gefahren durch Russlands Tankerflotte hingewiesen. Neuseeland und Kanada verhängten ihrerseits Sanktionen gegen Schiffe der „Volgoneft“-Klasse und deren Betreiber. Im September kündigte Großbritannien weitere Strafmaßnahmen gegen rund 70 russische Schiffe und 30 Unternehmen an und will zusätzliche Beschränkungen für Öltanker auf den Weg bringen.
Fortgesetzte Risiken für Schifffahrt und Umwelt
Seit den 1990er Jahren modernisiert Russland seine „Volgoneft“-Flotte nicht mehr. Dennoch werden die Tanker weiter in der Ostsee, im Schwarzen Meer und im Mittelmeer eingesetzt. Fachleute dokumentierten bereits mehr als 8000 Umweltschäden durch die russische Aggression, deren wirtschaftliche Gesamtkosten auf 85 Milliarden Euro geschätzt werden. Allein der Umweltschaden im Schwarzen Meer infolge der Kertsch-Katastrophe beläuft sich auf rund 14 Milliarden Euro. Internationale Experten warnen, dass die Nutzung veralteter Tanker die maritime Sicherheit und die ökologische Stabilität dauerhaft gefährdet.