Londoner Luxusimmobilien im Visier: Anklage will Vermögen eines chinesischstämmigen Mehrfachstaatsbürgers einfrieren
Londoner Luxusimmobilien im Visier: Anklage will Vermögen eines chinesischstämmigen Mehrfachstaatsbürgers einfrieren

Londoner Luxusimmobilien im Visier: Anklage will Vermögen eines chinesischstämmigen Mehrfachstaatsbürgers einfrieren

Juni 13, 2026
2 min. lesezeit

Die britische Staatsanwaltschaft (Crown Prosecution Service, CPS) hat bei einem Londoner Gericht beantragt, Immobilien im Wert von rund 68 Millionen US-Dollar (rund 63 Millionen Euro) einzufrieren. Die Grundstücke gehören Yuan Yihua, einem in China geborenen Mann, der neben der chinesischen auch die Staatsbürgerschaften von Zypern, Kambodscha und des pazifischen Inselstaats Vanuatu besitzt. Das geht aus Dokumenten des britischen Grundbuchamts hervor, die dem Recherchenetzwerk OCCRP vorliegen OCCRP. Die Behörde wirft Yuan Yihua nicht persönlich Straftaten vor, doch der Schritt fügt sich in eine neue Strategie der Strafverfolger, Vermögenswerte bereits im Vorfeld von Ermittlungen zu sichern.

Insgesamt 14 Objekte – darunter eine 32-Millionen-Dollar-Villa

Laut Grundbuchregister erwarb Yuan Yihua zwischen Juni 2021 und Januar 2025 mindestens 14 Immobilien in London. Darunter befindet sich ein Anwesen im wohlhabenden Stadtteil St. John’s Wood im Wert von 32 Millionen Dollar. Allein am 23. Juni 2021 kaufte er neun der betroffenen Luxusapartments: Sie liegen im „Legacy Building“ im Londoner Viertel Nine Elms, einer Nobeladresse mit Dachpool und Blick auf die US-Botschaft. Am 11. Mai beantragte die CPS die Einfrierungsverfügungen. Weder die Staatsanwaltschaft noch die britische Nationale Kriminalitätsbehörde (NCA) beantworteten Fragen, warum die Anträge konkret gegen Yuan Yihua gestellt wurden OCCRP.

Neuer Schwerpunkt der CPS: Vermögensabschöpfung vor Verurteilung

Erst in der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft einen neuen „Fahrplan zur Bekämpfung schwerer organisierter und Wirtschaftskriminalität“ vorgestellt. Darin heißt es, die „Vermögensabschöpfung“ solle künftig im Zentrum der Anklagestrategie stehen. Die CPS gab an, in den letzten fünf Jahren bereits mehr als 707 Millionen Dollar durch Einziehungsanordnungen sichergestellt zu haben.

Eines der prominenten Ziele war die Prince Group, ein kambodschanischer Mischkonzern. Britische Behörden werfen dem Unternehmen vor, ein Netzwerk von Betrugszentren zu betreiben, in dem teilweise Opfer von Menschenhandel arbeiten. Im März verhängte London neue Sanktionen und Vermögenssperren gegen Personen und Firmen, die mit der Prince Group in Verbindung stehen sollen – darunter ein Mann namens Hu Xiaowei. OCCRP hatte kürzlich aufgedeckt, dass Hu Xiaowei unter mindestens drei verschiedenen Identitäten auftritt und in Großbritannien Immobilien im Wert von mindestens 45 Millionen Dollar hält OCCRP.

Flugdaten zeigen Verbindung zu sanktionierten Personen

Flugaufzeichnungen, die OCCRP ausgewertet hat, belegen, dass Yuan Yihua den Pazifikstaat Palau an Bord eines Privatjets besuchte, der einer Firma von Hu Xiaowei gehört. Mit an Bord war auch Yang Jian – ein Mann, der ebenfalls Millionen in Londoner Immobilien investierte. Die USA haben sowohl Yang Jian als auch Hu Xiaowei (unter einem seiner Decknamen) mit Sanktionen belegt, weil sie angeblich mit einer Prince-Group-Tochtergesellschaft in Verbindung stehen, die ein Immobilienprojekt in Palau entwickelt. Ein Sprecher der Prince Group hatte OCCRP gegenüber stets betont, der Konzern sei „unschuldig an den wilden und unbegründeten Anschuldigungen der US-Regierung, die in Jurisdiktionen auf der ganzen Welt nachgeplappert werden“. Yuan Yihua selbst ist nicht wegen Verbindungen zur Prince Group sanktioniert und taucht in keiner Führungsrolle der wichtigsten Holdings des Konzerns auf. Er reagierte nicht auf Anfragen von OCCRP zu den Einfrierungsanträgen OCCRP.

Bedeutung für Deutschland: Signal für härtere Gangart bei Geldwäsche

Für deutsche Behörden und Bürger ist der Fall ein weiteres Beispiel dafür, wie internationale Geldwäsche-Netzwerke funktionieren. Britische Ermittler setzen zunehmend auf präventive Vermögenssperren, noch bevor ein formelles Strafverfahren eingeleitet wird. Diese Methode könnte als Blaupause auch für deutsche Strafverfolger dienen, die immer wieder mit undurchsichtigen Konstruktionen aus Briefkastenfirmen und Mehrfachstaatsbürgerschaften kämpfen. Sollte der Antrag erfolgreich sein, könnten die Londoner Immobilien später eingezogen und versteigert werden – das Geld flösse dann in den britischen Staatshaushalt. Für normale Bürger in Deutschland ist der Fall indirekt relevant: Effektive Vermögensabschöpfung bei organisierter Kriminalität kann dazu beitragen, Steuergelder zu entlasten und die Sicherheit zu erhöhen, indem kriminelle Strukturen nachhaltig geschwächt werden. Die enge Verflechtung von asiatischen Konzernen, Luxusimmobilienmärkten und internationalen Finanzströmen zeigt, wie systemrelevant die Bekämpfung von Geldwäsche für die Stabilität des globalen Finanzsystems ist.

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