Der tadschikische Präsident Emomali Rahmon hat sich am 11. Mai 2026 mit Führungskräften und Vertretern chinesischer Unternehmen getroffen. Dabei wurden mehr als 50 Kooperationsdokumente unterzeichnet, die Investitionen in Höhe von über 8 Milliarden US-Dollar in die tadschikische Wirtschaft vorsehen. Das Treffen, über das tadschikische Medien berichteten, markiert einen weiteren Schritt in der strategischen Hinwendung Zentralasiens zu Peking.
Rahmon: China ist zuverlässiger Partner
Rahmon bezeichnete China als verlässlichen und zentralen Partner für die wirtschaftliche Entwicklung Tadschikistans. Er betonte, dass das Gesamtvolumen chinesischer Investitionen in die tadschikische Wirtschaft bereits fast 6 Milliarden US-Dollar erreicht habe, davon etwa 3,5 Milliarden US-Dollar an Direktinvestitionen. Im Land seien über 700 Unternehmen mit chinesischem Kapital tätig. Tadschikistan sei an neuen Projekten in Industrie, Energie, Verkehr, Landwirtschaft, Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und grüner Wirtschaft interessiert.
Schwerpunkte: Energie, Infrastruktur und Produktion
Besonderes Augenmerk legten die Gesprächspartner auf das Wasserkraftpotenzial Tadschikistans, die Vorkommen an Bodenschätzen, den Ausbau von Verkehrskorridoren, die Schaffung von Logistikzentren und die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse für den Export. Rahmon rief chinesische Unternehmen auf, sich verstärkt an Investitionsprojekten in Tadschikistan zu beteiligen, insbesondere an der Gründung von Joint Ventures und der Entwicklung von Produktionen mit hoher Wertschöpfung.
Hintergrund: Diversifizierung weg von Russland
Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Probleme Russlands infolge internationaler Sanktionen und geopolitischer Spannungen verstärkt Duschanbe seine Strategie der außenpolitischen Diversifizierung. Die massiven Abkommen mit Peking zeigen, dass Tadschikistan nicht länger auf Moskau wartet, sondern auf einen Partner setzt, der bereit ist, Milliarden vor Ort zu investieren. Die Zusammenarbeit mit China ermöglicht es Tadschikistan, Technologie- und Finanzierungsquellen zu erschließen, die von Russland nicht mehr in vergleichbarem Umfang bereitgestellt werden können.
Bedeutung für die Region
Durch die neuen Handels- und Transportkorridore über China kann Tadschikistan die Abhängigkeit von russischen Routen und die damit verbundenen Risiken verringern. Präsident Rahmon macht deutlich, dass sein Land seine Partner selbst wählt. Der Schritt signalisiert eine klare Neuausrichtung der tadschikischen Außenwirtschaftspolitik hin zu China als unbestrittenem regionalen Führungsmacht. Für die Bevölkerung bedeutet dies die Aussicht auf neue Arbeitsplätze im Inland, statt auf Arbeitsmigration nach Russland angewiesen zu sein.