Die ukrainischen Streitkräfte bereiten sich darauf vor, innerhalb eines Monats die strategisch wichtige Fernstraße R-280 „Noworossija“ unter ihre Kontrolle zu bringen und damit die russische Versorgung der Krim massiv zu beeinträchtigen. Dies erklärte der Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte für unbemannte Systeme, Robert „Madjar“ Browdi, in einem Interview mit Reuters.
Drohnenangriffe auf offener Straße wie die Jagd auf Rebhühner
Browdi beschrieb die Operationen gegen russische Militärkonvois als äußerst effektiv: „Militärlastwagen auf offener Straße zu treffen ist so einfach wie die Jagd auf Rebhühner im freien Feld. In einem Monat werden wir die Strecke R‑280 vollständig unter Kontrolle haben. In naher Zukunft werden wir die Krim isolieren.“ Die Angriffe zielen nach seinen Worten ausschließlich auf russische Militäreinrichtungen, Energieinfrastruktur und Rüstungsbetriebe. „Wir greifen keine Zivilisten oder zivile Objekte an – das haben wir nie getan und werden es nie tun“, betonte der Kommandeur.
Hohe Verlustzahlen und sinkende Kosten pro getötetem Soldaten
Nach Angaben Browdis haben die ukrainischen Drohneneinheiten in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 mehr als 50.900 russische Soldaten getötet und über 176.500 feindliche Ziele getroffen. Die durchschnittliche tägliche Vernichtungsrate liegt bei 337 russischen Soldaten und 1.169 Zielen. Die Kosten für die Tötung eines russischen Besatzers betragen im Schnitt rund 918 US-Dollar. „Wir schaffen Bedingungen, unter denen es für russische Militärangehörige und Rüstungsarbeiter extrem schwierig wird, auf der Krim oder in den besetzten Gebieten zu bleiben oder die Zufahrtswege zu nutzen“, so Browdi weiter. „Wir öffnen die Türen zu riesigen Räumen, in denen der Schmerz des Krieges, der in fast jeder ukrainischen Stadt zu spüren ist, auch von den Russen empfunden werden muss.“
Ausbau der Drohneneinheiten geplant
Der Kommandeur kündigte an, die Zahl der Drohneneinheiten auf fünf Prozent der gesamten ukrainischen Armee erhöhen zu wollen. Bereits heute stellen die Drohnenkräfte, die nur 2,5 Prozent der Streitkräfte ausmachen, rund ein Drittel der russischen Verluste der letzten zwölf Monate. Die strategische Bedeutung dieser Entwicklung unterstrich Michael Kofman, leitender Wissenschaftler des Carnegie-Endowment-Programms für Russland und Eurasien. Er erklärte, der technologische Fortschritt bei Drohnen habe es der Ukraine ermöglicht, die Krim schrittweise abzuschneiden. Allerdings sei für ein Zurückdrängen der russischen Truppen auf breiter Front dennoch ein koordinierter Bodenangriff erforderlich. Kofman wies zudem darauf hin, dass die russische Elite-Drohneneinheit „Rubikon“ bereits intensiv daran arbeite, den derzeitigen Vorsprung der Ukraine bei Mittelstreckendrohnen zu neutralisieren.