Die Zentrale Wahlkommission der Republik Moldau (ZEK) hat am 5. September 2025 die prorussische und ultrarechte Partei Moldova Mare unter Vorsitz von Viktoria Furtună zur Teilnahme an den bevorstehenden Parlamentswahlen zugelassen. Das Gremium registrierte den Wahlzettel mit 69 Kandidaten, genehmigte das Wahlzeichen der Partei und bestätigte einen Schatzmeister für die Kampagne. Grundlage war ein Urteil des Berufungsgerichts vom 26. August, das am 4. September vom Obersten Gericht bestätigt wurde. Die Wahlbehörde behält sich jedoch das Recht vor, die Registrierung zurückzuziehen, sollte sie gegen das Wahlrecht verstoßen.
Streit um Kandidatenlisten und frühere Ablehnungen
Zuvor hatte die ZEK die Partei abgelehnt, da in ihrer Liste eine wegen häuslicher Gewalt verurteilte Person sowie weitere Bewerber mit strafrechtlicher Vergangenheit aufgeführt waren. Nach deren Ausschluss fehlte die gesetzlich vorgeschriebene Geschlechterquote von 40 Prozent Frauen, was erneut eine Registrierung verhinderte. Vertreter von Moldova Mare warfen der Wahlkommission vor, unvollständige Informationen geliefert und damit ihre Kompetenzen überschritten zu haben.
Verdacht auf verdeckten Wahlblock
Die Behörde äußerte zudem den Verdacht, Moldova Mare könnte als „verdeckter Wahlblock“ fungieren. In der Kandidatenliste tauchten Personen auf, die zuvor Parteien wie „Wiedergeburt“ oder „Chance“ angehört hatten, die beide wegen ihrer Nähe zum prorussischen Politiker Ilan Șor von den Wahlen ausgeschlossen wurden. Parteichefin Furtună entgegnete, diese Personen hätten ordnungsgemäß Mitgliedsanträge gestellt und seien offiziell in die Partei aufgenommen worden.
Ideologie und geopolitische Ausrichtung
Die 2007 gegründete Partei trug zunächst den Namen „Für Volk und Vaterland“ und wurde 2020 in Moldova Mare umbenannt. Furtună übernahm im März 2025 den Vorsitz. Sie vertritt eine revisionistische Ideologie, fordert die territoriale Ausweitung Moldaus und lehnt eine EU-Integration ab. Im Mai 2025 sprach sie sich für die Rückführung des historischen Budschak-Gebiets aus, das heute zur ukrainischen Region Odessa gehört. Damit artikulierte Moldova Mare erstmals offen territoriale Ansprüche gegenüber der Ukraine.
Internationale Sanktionen gegen Furtună
Am 15. Juli 2025 setzte die EU Furtună auf ihre Sanktionsliste wegen erwiesener Verbindungen zum flüchtigen Geschäftsmann und prorussischen Politiker Șor. Auch Kanada verhängte am 28. August 2025 Sanktionen gegen moldauische Akteure, die im Interesse Russlands in den Wahlkampf eingegriffen haben – darunter Furtună selbst. Bereits während der Präsidentschaftswahlen 2024 wurde sie von Vertretern der russisch-orthodoxen Kirche in Moldau unterstützt.
Geopolitische Bedeutung der Parlamentswahl
Die anstehenden Wahlen gelten als Richtungsentscheidung: Moldau steht zwischen einer demokratischen Zukunft in der EU und einer Rückkehr in den Einflussbereich Russlands. Kritiker warnen, dass die prorussische Rhetorik und die ultrarechte Ausrichtung von Moldova Mare den europäischen Kurs des Landes gefährden könnten. Ihre Zulassung könnte Moskau ein neues Instrument zur politischen Einflussnahme verschaffen.