Wirtschaftsweise: Kein Aufschwung in Sicht

Mai 29, 2026
1 min. lesezeit

Der Iran-Krieg hat die Hoffnung auf Wirtschaftswachstum zunichte gemacht. Das setzt Deutschland auch bei Rente und Gesundheit unter Druck. Experten fordern Abstriche am Sozialstaat.

Es dürfte kein angenehmer Termin für Friedrich Merz (CDU) gewesen sein. Der Bundeskanzler empfing am Mittwoch (27.5.) zusammen mit einigen Ministern seiner Regierung die sogenannten „Wirtschaftsweisen“. So werden die fünf Professorinnen und Professoren auch genannt, die den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bilden – ein unabhängiges Beratergremium der Bundesregierung.

Beim gemeinsamen Mittagessen wollte man sich über das aktuelle Frühjahrsgutachten des Rats unterhalten. Das enthält nichts, worüber sich die Regierung freuen könnte. Es  unterstreicht vielmehr, in was für einer schlechten Verfassung die deutsche Wirtschaft ist.

Stagnation statt Wachstum in Deutschland

„Wir mussten in unserem Gutachten die Wachstumsprognose für dieses Jahr leider nach unten korrigieren“, sagte die Vorsitzende Monika Schnitzer vor dem Termin im Kanzleramt. „Wir erwarten für das laufende Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um nur noch 0,5 Prozent und für das kommende Jahr von 0,8 Prozent.“ Das BIP misst die Summe aller produzierten Waren und Dienstleistungen, also die Wirtschaftskraft.  Gleichzeitig klettert die Inflationsrate, also die Preissteigerung, 2026 auf drei Prozent.  Das sind desaströse Zahlen, die das Gegenteil dessen sind, was der Bundeskanzler beim Amtsantritt seiner Regierung im Mai 2025 als Top-Priorität versprochen hatte: Die Wirtschaft rasch wieder in Schwung zu bringen. 

Frust in der deutschen Wirtschaft 

Die Unternehmer sind enttäuscht von der Regierung und beklagen sich immer lauter. „Der Wirtschaftsstandort Deutschland steht unter Druck wie selten zuvor in der Nachkriegsgeschichte“, kommentierten die großen Wirtschaftsverbände, darunter der Bundesverband der deutschen Industrie, bei einer Wirtschaftskonferenz Ende März.

Jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland hängt an der Industrie. Autos, Maschinen, chemische und pharmazeutische Produkte – über Jahrzehnte waren sie Exportschlager und Deutschland lebte gut davon. Doch deutsche Unternehmen sind weltweit immer weniger wettbewerbsfähig und angesichts einer seit 2019 anhaltenden Schwäche zweifeln exportierende Unternehmen offen daran, ob es überhaupt noch gelingen kann, „das Ruder rumzureißen“.

Energiepreise massiv gestiegen

Noch im Herbst war zumindest die Hoffnung da, dass die Konjunktur 2026 endlich wieder etwas anziehen könnte. Doch der Iran-Krieg machte einen Strich durch die Rechnung. Heizöl verteuerte sich um 40 Prozent, die Preise für Gas und Strom dürften ebenfalls weiter steigen.

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