Beratung der Bundeswehr: Möglichkeit zur sicheren Passage für Handelsschiffe im Persischen Golf

Beratung der Bundeswehr: Möglichkeit zur sicheren Passage für Handelsschiffe im Persischen Golf

Juni 18, 2026
1 min. lesezeit

Viele Reedereien warten auf die Normalisierung des Schiffsverkehrs im Persischen Golf. Die Marine-Schifffahrtsleitung der Bundeswehr, ansässig in Hamburg, könnte dabei eine zentrale Rolle übernehmen. Fregattenkapitän Steffen Lange führt ein Büro, das sich mit den globalen maritimen Entwicklungen auseinandersetzt. Angesichts des amerikanisch-israelischen Angriffs auf den Iran am 28. Februar wurde der Schiffsverkehr im Golf abrupt unterbrochen. Das iranische Regime agiert seither als eine Art Schleusenwärter in dieser strategisch wichtigen Wasserstraße.

Infolge der veränderten Sicherheitslage riet das Marinekommando deutschen Reedereien vom Passieren des Golfs ab. Das Risiko für Schiffe, die unter deutscher Flagge fahren oder von deutschen Reedern betrieben werden, war und ist hoch. Selbst einen Totalschaden mussten Reedereien in ihre Erwägungen einbeziehen. Derzeit sind nach Schätzungen noch immer 41 Schiffe in dieser Region festgesetzt.

Die Gefahr von Minen im Persischen Golf ist mittlerweile bestätigt. Diese Situation muss in den Griff bekommen werden, insbesondere vor dem Hintergrund, dass das US-Iran-Abkommen Hoffnungen auf eine Wiedereröffnung der Wasserstraße weckt. Die Marine-Schifffahrtsleitung steht bereit, um von Hamburg aus die zivile und militärische Schifffahrt zu beraten und zu unterstützen.

Momentan tummeln sich rund 3.000 Handelsschiffe im Persischen Golf, wobei 700 bis 800 Schiffe auf die Möglichkeit einer Reise ins offene Meer drängen. Die Herausforderung liegt darin, die Schifffahrt zu koordinieren. Fregattenkapitän Lange beschreibt dies mit einer Metapher: „Das Öffnen der Schleusen ist wie das Entkorken einer Sektflasche unter Druck.“ Seien die Gefahren gebannt, werde es eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, bis der Schiffsverkehr auf Normalniveau zurückkehrt. Die Schätzungen reichen von drei Monaten bis zu einem Jahr.

Die sicherheitspolitische Dimension ist ebenfalls von Bedeutung. Deutschland hat angeboten, gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich zur Sicherheit der Straße von Hormus beizutragen. Voraussetzung dafür ist jedoch ein stabiler Waffenstillstand sowie ein entsprechendes Mandat des Bundestages.

Die Bundeswehr hat bereits Vorbereitungen getroffen. Das Minenjagdboot „Fulda“ und der Tender „Mosel“ haben den Suezkanal passiert und befinden sich auf dem Weg Richtung Rotes Meer. Deutschland plant zur Unterstützung sechs deutscher Schiffe, welche potenziell zur Minenräumung und zur militärischen Präsenz in der Region genutzt werden könnten.

Derzeit diskutiert die Marine-Schifffahrtsleitung verschiedene Modelle zur Sicherung des Schiffverkehrs. Eine Option könnte ein militärischer „Regenschirm“ sein, der die Handelsschiffe durch Aufklärung und technische Mittel schützt. Alternativ wäre eine Konvoi-Bildung denkbar, bei der Schiffe in Begleitung von Marineeinheiten reisen. Für die umfassendste Absicherung wäre jedoch eine erheblich größere Zahl an Kriegsschiffen nötig, als die deutsche Marine aktuell bereitstellen kann.

Damit bleibt abzuwarten, wie sich die Situation im Persischen Golf entwickelt und welche Rolle Deutschland dabei künftig einnehmen wird.

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