Die Blockade der Straße von Hormus hat nicht nur Auswirkungen auf den internationalen Ölhandel, sondern bedroht auch die Ölimporte Chinas aus dem Nahen Osten. China reagiert auf den Iran-Konflikt mit einer scharfen Kritik und beruft sich auf das Völkerrecht, um die Militärinterventionen der USA und Israels zu verurteilen. Die Krise tritt zu einem Zeitpunkt auf, an dem China zunehmend von einer stabilen Energieversorgung abhängig ist, da etwa 50 Prozent seiner Ölimporte aus Golfstaaten stammen.
In den chinesischen Staatsmedien wird der Iran-Konflikt jedoch als weniger wichtig dargestellt, da der Nationale Volkskongress in Peking an Bedeutung gewonnen hat. Neben allgemeinen Berichten über den Krieg wird verstärkt auf die ökonomischen Folgen für China und die Weltwirtschaft eingegangen. Analysten warnen vor einem Anstieg der Energiepreise sowie höheren Transportkosten und Versicherungsprämien für Tanker, was die Wirtschaft erheblich belasten könnte.
Trotz der hohen Abhängigkeit Chinas von Öl aus der Region bleibt der Iran für das Land nicht die primäre Energiequelle. Laut der Stiftung Wissenschaft und Politik macht iranisches Öl nur etwa zwölf Prozent von Chinas Gesamtimporten aus. Mehr als 80 Prozent des iranischen Öls wurden im vergangenen Jahr an China verkauft, jedoch hat das Land auch enge Beziehungen zu anderen Anbietern wie Saudi-Arabien und Katar. Die geopolitische Balance zeigt, dass Iran in der Beziehung zu China abhängiger ist als umgekehrt.
Die Unsicherheit über die Lage in der Straße von Hormus sorgt dennoch für große Besorgnis in China. Die Schifffahrtsroute ist für die nationale Sicherheit von zentraler Bedeutung. China hat daher bereits Maßnahmen ergriffen, um durch den Import von mehr russischem Öl und Gas diese Abhängigkeit zu diversifizieren. Zudem arbeitet das Land an der Erschließung alternativer Handelsrouten, darunter die Überprüfung des nördlichen Seewegs in der Arktis.
Chinas Strategie zeigt Anzeichen einer pragmatischen Diplomatie, da das Land den Druck auf Iran erhöhen möchte, um die Schifffahrt durch Hormus wieder zu sichern. Gleichzeitig hat die kommunistische Führung in Beijing die Angriffe auf Iran scharf verurteilt und fordert ein Ende der Militäraktionen. China setzt auf Verhandlungen und plant, einen Sondergesandten in die Region zu entsenden.
Die gegenwärtige Lage verdeutlicht Chinas komplexe Position bezüglich seiner Energieversorgung und der geopolitischen Stabilität im Nahen Osten.