China hat die Biotechnologie als Schlüsselbranche identifiziert und investiert zunehmend in diesen Sektor. Dies geschieht vor dem Hintergrund wachsender internationaler Konkurrenz, da China sich aufmacht, den Westen in diesem strategischen Bereich hinter sich zu lassen.
Im staatlichen Biotechnologie-Park in Peking sind zahlreiche Unternehmen und Start-ups ansässig. Diese Einrichtungen profitieren von günstigen Rahmenbedingungen und staatlicher Unterstützung, die es ihnen ermöglichen, innovative Biopharmazeutika zu entwickeln. Beispielsweise hat das Unternehmen Innocare im letzten Jahr Lizenzrechte für einen Autoimmunwirkstoff an ein US-Unternehmen verkauft. Der Unternehmenssprecher Lu Chunhua hebt die positiven Veränderungen hervor, die die staatliche Förderpolitik und die Anpassungen bei der Arzneimittelzulassung mit sich gebracht haben. Zudem kehren viele im Ausland lebende Chinesen in ihre Heimat zurück, um in der Biotech-Branche Fuß zu fassen.
Laut dem jüngsten Fünfjahresplan der kommunistischen Regierung hat die Biotechnologie große Bedeutung für die nationale Sicherheit. Experten betonen, dass China bei der Entwicklung neuer Technologien Vorteile genießt, vor allem hinsichtlich der Kosten, der Geschwindigkeit und der Größe der durchgeführten klinischen Studien. Diese sind etwa 30 Prozent günstiger als in westlichen Ländern, da große Krankenhäuser und die Verfügbarkeit geeigneter Patienten die Durchführung erleichtern.
Der Trend zeigt, dass die Anzahl der Patentanmeldungen in China inzwischen höher ist als in Europa. Zunehmend sichern sich globale Pharmaunternehmen Lizenzen für neuartige Wirkstoffe aus chinesischer Entwicklung. Bayer investiert beispielsweise in ein Innovationszentrum in Shanghai, um von der schnellen und kostengünstigen Forschung und Entwicklung in China zu profitieren.
Im Gegensatz dazu verzeichnet Deutschland einen Rückgang staatlicher Fördermittel für Biotechnologie-Start-ups um 78 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig ist die Zahl an Patenten in diesem Bereich gesunken, was darauf hindeutet, dass Deutschland Gefahr läuft, den Anschluss zu verlieren. Wissenschaftler fordern daher mehr Anreize für die heimische Industrie und einen stärkeren Fokus auf Forschung und Entwicklung, um strategische Abhängigkeiten von China zu vermeiden.
China könnte in naher Zukunft in der Lage sein, den westlichen Markt in der Biopharmazeutik unabhängig zu bedienen. Das Zeitalter, in dem westliche Unternehmen für den Vertrieb von Medikamenten des Landes unerlässlich waren, könnte enden, was erhebliche Implikationen für die globale Gesundheitspolitik und das internationale Geschäft hat.