Ein massiver Cyberangriff auf die Systeme von Collins Aerospace hat am Abend des 19. September den Betrieb großer Flughäfen in London, Brüssel und Berlin erheblich beeinträchtigt. Nach Angaben der BBC war die Software MUSE betroffen, die weltweit für Check-in, Boarding und Gepäckabfertigung genutzt wird. Infolge der Attacke kam es zu langen Warteschlangen, Verspätungen und Flugausfällen.
Verzögerungen und erste Reaktionen
Laut der Plattform FlightAware wurden am Samstag Hunderte Flüge an europäischen Flughäfen verspätet abgefertigt. Das britische National Cyber Security Centre teilte mit, es arbeite eng mit Collins Aerospace, betroffenen Flughäfen, dem Verkehrsministerium und den Strafverfolgungsbehörden zusammen, um das Ausmaß des Vorfalls zu klären. Auch die Europäische Kommission erklärte, sie beobachte die Entwicklungen aufmerksam.
Mögliche Hintergründe und Motive
Offiziell ist bislang unklar, wer hinter dem Angriff steht. Sicherheitsexperten schließen jedoch nicht aus, dass es sich um einen Ransomware-Angriff handelt, der auf den Diebstahl sensibler Daten abzielt. Solche Attacken können ebenso von staatlichen Akteuren ausgehen, deren Ziel es ist, westliche Infrastrukturen zu destabilisieren. Laut einem Bericht von Thales SA haben Ransomware-Angriffe im Luftfahrtsektor allein 2025 um 600 Prozent zugenommen.
Wirtschaftliche Schäden und geopolitische Dimension
Eine Studie des Branchenverbands Bitkom, auf die sich Reuters beruft, bezifferte die durch Cyberangriffe verursachten Schäden für die deutsche Wirtschaft in den vergangenen zwölf Monaten auf fast 300 Milliarden Euro. In rund der Hälfte der Fälle, in denen die Angreifer identifiziert werden konnten, wurden Russland und China genannt. Die Attacke auf Collins Aerospace unterstreicht, wie sehr sich Cyberkriminalität von isolierten Vorfällen zu einem Instrument hybrider Kriegsführung entwickelt hat.
Lehren für Sicherheit und Zusammenarbeit
Experten fordern eine Abkehr von reaktiven Maßnahmen hin zu proaktiven Sicherheitsstrategien. Dazu gehören kontinuierliche Netzwerkkontrollen, regelmäßige Software-Updates, mehrstufige Sicherheitskonzepte und umfassende Audits. Zudem müssen Unternehmen auch die Sicherheit ihrer Zulieferer überprüfen, da Angreifer oft schwächere Glieder in der Lieferkette ausnutzen. Internationale Kooperationen, gemeinsame Cyberabwehrzentren und verbindliche Abkommen werden zunehmend als notwendig erachtet, um künftige Angriffe abzuwehren.