Für die Schweinehalter in Deutschland ist die aktuelle Grillsaison von düsteren Vorzeichen begleitet. Trotz der Fußball-Weltmeisterschaft, die traditionell den Fleischkonsum ankurbelt, müssen die Landwirte massive Verluste hinnehmen. Heiko Schwarting, ein Schweinemäster aus dem Landkreis Oldenburg, berichtet von einem Umsatzrückgang von 13 Prozent innerhalb von drei Wochen, während die Nachfrage um vier Prozent gestiegen ist.
Der Preis für Schweinefleisch ist seit Anfang Mai um 20 Cent pro Kilo gesunken. Normalerweise steigen die Preise in dieser Jahreszeit aufgrund der erhöhten Nachfrage nach Grillfleisch, insbesondere während der WM. Doch im Mai lagen die Schweinefleischpreise 16,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau, was die Verbraucher begünstigt, während die Produzenten leiden.
Die Probleme sind nicht nur regional zu verorten, sondern tragen auch internationale Dimensionen. Die Afrikanische Schweinepest hat in Spanien zu Handelsbeschränkungen geführt, was die Situation der deutschen Schweinehalter weiter verschärft. Die Teile des Schweins, die hierzulande als weniger attraktiv gelten, finden traditionell Abnehmer in Asien. Der Ausfall spanischer Exporte drückt nun jedoch auf den europäischen Markt und führt zu zusätzlichem Preisdruck.
Zudem beobachten Einzelhändler wie Gesa Oetken aus Delmenhorst einen verstärkten Trend zu Geflügel- und pflanzlichen Alternativen. Obwohl Schweinefleisch nach wie vor einen Marktanteil von 50 Prozent hat, greifen immer mehr Konsumenten zu vegetarischen und veganen Produkten, was die Nachfrage weiter beeinträchtigt.
Die Schweinehalter sehen sich auch in der Zukunft mit ernsthaften Herausforderungen konfrontiert. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Betriebe in Niedersachsen um 6,8 Prozent zurück, und fast jeder zweite Schweinehalter hat seit 2016 aufgegeben. Landwirte wie Schwarting ziehen in Erwägung, ihre Betriebe aufzugeben, da sie keine Aussicht auf eine wirtschaftliche Erholung sehen. Der ISN rechnet mit einer Stabilisierung der Preise auf niedrigem Niveau, was die Lage der Branche zusätzlich belastet.